Allgemeines
Alleinerziehende sehen sich häufig vor scheinbar unlösbare Probleme
gestellt, wenn es darum geht, nach der Geburt des Kindes, bzw. nach
Ablauf des Erziehungsurlaubes im Berufsleben wieder Fuß zu
fassen.
Kindergartenplätze sind nach wie vor rar in vielen Gemeinden, es fehlt
an Krippenplätzen und geeigneten Betreuungsangeboten nach der
Schulzeit. Arbeitszeiten und Öffnungszeiten der Kindergärten lassen
sich oft nur schwer vereinbaren und viele Arbeitgeber scheuen davor,
Mütter mit kleineren Kindern einzustellen, weil sie befürchten, dass
diese öfters ausfallen könnten (bedingt durch Erkrankungen der
Kleinen) oder das sie der Belastung von Job und Kind auf Dauer nicht
gewachsen sind. Auch wenn der Kindergarten in die Ferien geht, die
Tagesmutter krank ist oder die Oma zur Kur fährt, führt es oft
dazu, dass die ganze perfekte Organisation wie ein Kartenhaus zusammen
bricht. Hier sind natürlich die Politiker gefordert, die sich um mehr
Flexibilität in den Tagesstätten kümmern müssten, die Großfirmen,
die durchaus in der Lage wären einen Betriebskindergarten für ihre
Mitarbeiter an zu bieten, aber auch die Mütter und Väter könnten viel
mehr Engagement zeigen und sich mit Anderen zusammen tun, um sich
gegenseitig zu helfen.
Man kann und darf nicht erwarten, dass der Staat einem die ganze
Verantwortung abnimmt. Und man muss wirklich jedes Mittel nutzen und
jede Hilfe annehmen, die einem geboten wird. Falsch verstandener Stolz
oder Selbstmitleid sind völlig fehl am Platz.
Gerade alleinerziehenden Müttern bleibt am Anfang oft nur der Weg zum
Sozialamt. Der Vater kann oder will nicht für das Kind zahlen, eine Oma
ist nicht da oder steht selber noch im Berufsleben, der Arbeitgeber hat
keinen Teilzeitjob und wenn doch, dann passen die Öffnungszeiten des
Kindergartens absolut nicht. Dazu kommt das Gefühl versagt zu haben.
Man redet sich ein, dass man dem Kind nicht genug bieten kann, weil
einfach nicht genug Geld da ist. Man fühlt sich schuldig, weil die
Beziehung in die Brüche gegangen ist und das Kind quasi ohne Vater
aufwächst. Man hat dem Arbeitgeber gegenüber ein schlechtes Gewissen,
weil man ihn einfach im Stich gelassen hat, "nur" um ein Kind
zu bekommen. Aber von allen diesen Selbstvorwürfen sollte man sich
lösen.
Sozialhilfe: na und! 
Hier lernt man ohne viel Geld aus zu kommen. Und muss es für einen
Vierjährigen denn ein Marken- T-Shirt sein? Muss ein Kind alle
Spielsachen besitzen, die es zu kaufen gibt? Reicht nicht ein Teddy?
Kinder spüren die Liebe, die man ihnen entgegen bringt. Man
unterstützt ihre eigene Kreativität, wenn man mit ihnen bastelt
(Collagen aus altem Zeitungspapier, Figuren aus Salzteig, Malen mit
selbst gemachter Farbe aus Wasser und Lebensmittelfarbe und und und...)
Erwiesenermaßen sind Kinder, die ein ganzes Zimmer voll Spielzeug haben
ohnehin damit überfordert und empfinden es um so viel schöner im
Matsch zu spielen, im Park die Vögel zu beobachten oder im Wohnzimmer
aus zwei Stühlen und einer Decke eine Höhle zu bauen. Sind wir kreativ
(und Kreativität muss nichts kosten) dann sind es unsere Kinder auch.
Sicherlich wachsen die Ansprüche unserer Kinder mit zunehmenden Alter.
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass man Kinder zu
verantwortungsbewussten und gefühlvollen Menschen erziehen kann, auch
wenn das Geld knapp ist.
Schuldig dem Kind gegenüber, weil man alleine erzieht? 
Sicherlich nicht! Alleinerziehend kann man schneller werden, als einem
lieb ist. Durch Tod des Partners, - durch Trennung von welcher Seite
auch immer, - weil man einfach nichts mit dem Kindsvater zu tun haben
will. Schuldig wird man erst dann, wenn man seine Kinder vom anderen
Elternteil bewusst entfremdet, weil dieser einem weh getan hat.
Sicherlich ist da eine Wut, wenn der
Kindsvater mit einer Anderen auf und davon ist. Aber was kann das Kind
dafür? Solange das Kind den Kontakt zum anderen Elternteil wünscht und
dieses auch machbar ist (abgesehen von unserer eigenen emotionalen
Einstellung) sollte man die Treffen auch arrangieren. Aber auch Regeln
dabei berücksichtigen. Klare Absprachen zwischen den Ex-Partnern, was
die Erziehungsfragen betrifft. Es kann für ein Kind nicht gut sein,
wenn es am Wochenende bei Papi alles darf und sich die Woche über bei
der Mutter an feste Regeln halten muss. Damit schadet man nur dem Kind
und ein entspanntes Verhältnis zwischen den Ex-Partnern dürfte
schwierig werden. Kinder brauchen männliche und weibliche
Bezugspersonen. Und wenn der Vater nicht mehr da ist, dann kann auch der
Bruder, der Onkel oder ein guter Bekannter diese Rolle
übernehmen. Umgekehrt natürlich auch, wenn ein Vater mit dem Kind
alleine ist.
Und man sollte sich immer bewusst sein, dass auch viele Kinder, die mit
beiden Elternteilen aufwachsen nicht zwangsläufig eine glückliche
Kindheit haben.
Selber aktiv werden! 
Die Rückkehr in den Beruf will sorgsam geplant sein. Wenn man einen Job
vor der Geburt hatte, dann sollte man rechtzeitig mit dem Arbeitgeber
abklären, welche Möglichkeiten des Wiedereinstieges vorhanden sind. Und
ein regelmäßiger Kontakt zum früheren Arbeitsplatz kann sehr
hilfreich sein. Sich ab und an mit Kollegen treffen und soweit wie
möglich auf dem laufenden halten, was die Veränderungen im Job mit
sich bringen. Zum einen signalisiert man dem Arbeitgeber, dass man sich
auf die Rückkehr freut und bereit ist sich trotz Babypause zu
engagieren und zum anderen hat man selber nie das Gefühl völlig raus
zu sein und in Vergessenheit zu geraten.
Wenn man vor dem Kind keinen Job hatte, bzw. nicht in den alten Job
zurück will oder kann, dann muss man sich auch hier frühzeitig
darüber im klaren werden was man machen will. Der Gang zum Arbeitsamt,
ein Volkshochschulkurs zum Erlernen der Arbeit mit einem PC, Freunde
mobilisieren sich einfach mal umzuhören, ob in deren Umfeld ein Job
frei wird. Möglichkeiten gib es viele. Nur nutzen muss man sie! Und man
muss sich kritisch fragen: Was kann ich, was will ich, wie viel Stunden
am Tag kann und will ich arbeiten.
Und man muss Abstriche machen können. Nur die wenigsten
Alleinerziehenden schaffen es einen Powerjob, ein oder mehrer Kinder und
den Haushalt zu schmeißen. Früher war man vielleicht leitende
Angestellte und nun "nur" noch Teilzeitkraft, ohne
Weisungsbefugnis. Früher verdiente man gutes Geld, hatte vielleicht ein
Haus und keine finanziellen Sorgen. Heute ist das Geld knapp, der Job
ungeliebt und die kleine Wohnung eigentlich viel zu eng. Aber kann man
nicht trotzdem glücklich sein? Vielleicht sollten wir einfach lernen
unsere Bedürfnisse nicht nach dem materiellen Werten zu richten,
sondern nach den Wesentlichen Dingen des Lebens. Und dazu gehört
zweifelsohne eine innere Zufriedenheit, die wir uns selber schaffen und
unseren Kindern vorleben können. (Auch wenn man es manchmal noch so
schwer hat im Leben - aber wir haben nun mal nur dieses eine Leben.)
Selbsthilfe, wenn alles andere versagt. 
Alleinerziehende (dazu zähle ich auch Mütter und Väter, deren Partner
beruflich dermaßen eingespannt sind, dass die alltäglichen Dinge der
Kindererziehung , der Entscheidung welcher Kindergarten, welche Schule
und die Wahl der sozialen Kontakte an ihnen hängen bleiben) verfügen
unter den gegebenen Umständen meist über ein hohes Maß an
Flexibilität, Entscheidungsfreude und Organisationstalent. Warum dieses
nicht nutzen und eine eigene Betreuungsstätte für die Kinder schaffen,
zusammen mit anderen Eltern, die in einer ähnlichen Situation sind. Man
kann eine Art Netzwerk aufbauen, in der sich die Mütter oder Väter
abwechselnd um die Kinder kümmern, damit man etwas Freiraum für sich
gewinnt. Denn nicht jeder hat das Glück, dass eine Oma parat steht, um
die Kinder, zumindest stundenweise, zu betreuen. Vielleicht findet sich
so eine Gruppe, wo es möglich ist, dass die Mütter zeitweise wieder
arbeiten gehen können, weil sich in der Zeit die anderen Mütter um die
Kinder kümmern. Niemals sollte man dem falsch verstandenen Stolz
unterliegen und sich beweisen wollen, dass man alles alleine schafft.
Man könnte auch die Gemeinde bitten, zu prüfen, ob nicht ein Bedarf
für einen Kindergarten besteht, weil es vor Ort keinen gibt oder
gemeinsam mit den Kindergärtnerinnen längere Öffnungszeiten
vereinbaren. Denn vielleicht möchte ja die ein oder andere
Kindergärtnerin lieber erst um zwölf anfangen zu arbeiten und dann bis
zwanzig Uhr. Oder es gibt Betreuungspersonen, die gerne um zwölf wieder
Zuhause wären, weil die eigenen Kinder aus der Schule kommen und darum
gerne um sechs Uhr anfangen würden. Die Loslösung von starren Modellen
kann aber nur erfolgen, wenn man aktiv wird und nicht darauf hofft, dass
es Andere für einen tun.
Andere Probleme 
Alleinerziehende haben meist nicht nur finanzielle Probleme, sondern vor
allem das Problem der Vereinsamung. Mütter mit kleineren Kindern kennen
dieses Problem selber allzu gut. Die sozialen Kontakte spielen sich
plötzlich auf einer völlig anderen Ebene ab als vor der Geburt. Konnte
man bislang noch jederzeit seinen eigenen Bedürfnissen nachgehen, sich
mit Freunden treffen, ins Kino gehen, einen ausgedehnten Kneipenbummel
machen oder spontan in den Urlaub fliegen, so verändert sich mit einem
Kind doch einiges. Freunde, die selber keine Kinder haben, ziehen sich
zunehmend zurück. Die Clique spaltet sich in Eltern und Nicht- Eltern.
Spontane Unternehmungen finden meist keinen Platz mehr und Gespräche
drehen sich fast zwangsläufig um das Kind. Sicherlich ergeben sich neue
Kontakte. Man trifft sich im Spielkreis, beim Babyschwimmen, beim
Kinderturnen... Aber auch hier konzentriert sich das Gespräch meistens
auf das Thema Kind. Eltern haben zumindest am Abend noch die
Möglichkeit sich über andere Dinge auszutauschen. Der Beruf des
Partners bietet Gesprächsstoff und die Möglichkeit das Kind einfach in
der Obhut des Partners zu lassen, um Zeit für sich und seine Freunde zu
haben, ist ein großer Vorteil von Paaren mit Kind. Alleinerziehende
dagegen können das Kind abends nicht einfach an den Partner
weitergeben. Gespräche finden nut tagsüber statt, da am Abend kein
Partner zur Verfügung steht. Die neuen Kontakte , die man geknüpft
hat, haben eine Beziehung und möchten lieber am Abend beim Partner
sein...
Also was tun?
Wichtig ist es auf jeden Fall, sich Freundschaften zu erhalten, neue
aufzubauen und sich Freiräume zu schaffen, wo nicht über Kinder,
Windeln und Alete gesprochen wird. Das gilt für Eltern, die in einer
Beziehung stehen genauso wie für Alleinerziehende. Der Luxus eines
Babysitters einmal die Woche, Annoncen aufgeben, um neue Kontakte zu
finden, vielleicht einen Babysitterdienst mit mehreren Alleinerziehenden
organisieren: Eigeninitiative ist gefragt! Und die freie Zeit auf jeden
Fall genießen! Babys und Kleinkinder können sehr gut ein paar Stunden
auf ihre Mütter und Väter verzichten. Man selber tankt neue Energie
und bekommt nicht das Gefühl, dass das Leben nur noch aus dem Kind
besteht. So profitiert das Kind genauso wie die Mutter bzw. der Vater.
Vielleicht ist die Kirche oder die Gemeinde am Ort daran interessiert,
etwas für Alleinerziehende zu tun. Meistens reicht schon ein Raum und
abwechselnd können Mütter oder Väter die Kinder betreuen, während
die Anderen sich gemütlich bei einem Kaffee zusammen setzen und mal
nicht über Kinder reden.
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