| Allgemeines Die Kindergartenzeit ist eine aufregende Zeit - für Eltern als auch
für Kinder. Es wird gebastelt, gespielt, soziales Verhalten trainiert.
Mit den Kindern werden verschiedene Themen behandelt. Sie lernen die
Umwelt kennen, sie erfahren etwas über Haustiere, Jahreszeiten, Feste,
über die Natur, andere Kulturen und noch viel mehr. Aber ein Thema wird
auch in vielen Kindergärten tabuisiert: Doktorspiele zwischen Kindern.
Für viele Eltern und ErzieherInnen mag es ein ganz normales Thema sein
und sie haben sich damit bereits auseinander gesetzt. Aber genauso viele
Eltern und ErzieherInnen sind mit diesem Thema überfordert. Sie wissen
nicht, was sie davon halten sollen, wie sie reagieren sollen und was sie
auf entsprechende Fragen der Kinder antworten sollen. Denn so
individuell die Kinder sind, so sind es auch die Erwachsenen und Jeder
hat seine persönliche Vorgeschichte, die die Einstellung zur Sexualität
entscheidend prägt. Selbst in unserer heutigen Zeit ist es nicht für
Alle selbstverständlich innerhalb der Familie sich vor anderen
Familienmitgliedern auszuziehen, gemeinsam mit den Kindern zu baden oder
vor den Kindern Zärtlichkeiten mit dem Partner auszutauschen. Und mal
abgesehen davon wird das Wort "Sexualität" an sich schon so
unterschiedlich von den Erwachsenen interpretiert, dass bei
Einigen bereits die "Alarmglocken" läuten, sobald dieses Thema zum
Gesprächsthema wird. Aber Sexualität ist weitaus mehr als körperliche
Liebe. Es ist auch ein Begriff, der je nach Sichtweise auch die
Schwangerschaft umfasst, Funktion der Geschlechtsorgane, sexuelle
Gewalt, Sinnesfreuden, Kuscheln, Gefühle, Verbotenes, Eltern sein,
Weiblichkeit, Männlichkeit, ... Ein Beispiel: Im Kindergarten wurden ein Junge und ein Mädchen dabei "erwischt", wie sie unter der Decke Doktorspiele machten. Die Erzieherin ging sehr verständnisvoll mit dem Thema um und erklärte den Kindern, dass diese das durchaus dürfen, solange sie gewisse Regeln einhalten. Die Mutter, deren Tochter ihr später von dem "Vorfall" erzählte, reagierte entsetzt und war der Meinung, dass ihre Tochter quasi dazu gezwungen worden wäre. Denn nach ihrer Aussage macht ihre Tochter "so was" nicht. Anzumerken sei, dass das Mädchen vier Jahre alt ist und der Junge knapp ein Jahr älter. Beide hatten durchaus Vergnügen an ihrem Spiel und beide Kinder sind durchaus in der Lage sind "nein" zu sagen, wenn ihnen etwas missfällt. Dieses kindliche Erfahrungsspiel wird von den Erwachsenen sehr unterschiedlich bewertet. Während die Mutter fürchtet, dass ihre Tochter zu Handlungen gezwungen wird, die sie nicht möchte und ihre Tochter vor "solchen" Dingen schützen möchte, sieht die Erzieherin dem Ganzen mit Gelassenheit entgegen. Vielleicht weil sie aus Erfahrung weiß, dass in den seltensten Fällen Grund zur Sorge besteht? Sie hat die Kinder zur Seite genommen und wichtige Regeln im Umgang mit dem Anderen festgelegt, deren Einhaltung sie auch unbedingt von den Kindern einfordert. Diese Regeln sehen wie folgt aus:
Wohl fast alle Kinder machen Doktorspiele und die Eltern können sich
gewiss sein: es besteht kein Grund zur Sorge! Erwachsene sollten wirklich nur dann eingreifen, wenn Kinder gesetzte Grenzen überschreiten, indem z.B. ältere Kinder jüngere Kinder dazu animieren Doktorspiele zu machen. Oder wenn es sich abzeichnet, dass das Kind auch nach Monaten die Doktorspiele als das Wichtigste Spiel überhaupt für sich definiert. Natürlich müssen Eltern und ErzieherInnen auch dann eingreifen, wenn die Kinder sich weh tun. Aber nicht nur im Kindergarten kommt es zu Doktorspielen. Kinder, die Zuhause Besuch bekommen von ihren Freunden, werden irgendwann auch anfangen ihren Körper und den der Freunde zu erforschen. Eltern sollten gelassen reagieren. Es gehört zu einer normalen Entwicklung dazu und schadet dem Kind nicht! Selbstverständlich können und sollen Eltern den Kindern auch Schamgrenzen aufzeigen. Wenn Kinder z.B. gedankenverloren an sich herum spielen, dann sollte man sie auffordern dies in ihrem Zimmer weiter zu machen. Denn eine gewisse Intimität sollte hier vorhanden sein und die Kinder müssen lernen, dass die Öffentlichkeit nicht der geeignete Ort ist sich selbst zu erfahren.
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