Der Kindergarten
Im Kindergarten
Inhalt
 
Soll das Kind überhaupt in den Kindergarten?
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Probleme im Vorwege
Vorbereitung
Aller Anfang ist schwer - für das Kind und die Eltern
Elternarbeit
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Soll das Kind überhaupt in den Kindergarten? zurück zur Übersicht

Die Frage, ob das Kind in den Kindergarten soll, wird oft durch ein "muss" ersetzt. Denn viele Eltern brauchen diese Einrichtung, weil sie Zeit für ihr Berufsleben benötigen. Gerade Familien, in denen das Geld knapp ist, sind meist froh darüber, wenn sie einen Kindergartenplatz bekommen haben. So kann auch die Mutter wieder einer Arbeit nachgehen und zum Lebensunterhalt beitragen. Aber es gibt auch genug Mütter, die nicht arbeiten bräuchten, aber dennoch zurück in den Beruf wollen.
Im Laufe der Jahre hat sich Vieles im Bereich der Familien verändert: Frauen werden nicht mehr wie früher auf ein Dasein als Mutter und Hausfrau reduziert. Sie erlernen meist einen Beruf, studieren und noch bevor sie über Nachwuchs nachdenken, haben sie eine gefestigte Position im Berufsalltag. Das bedeutet Unabhängigkeit und sie erfahren dadurch eine Befriedigung, auf die sie auch nach der Geburt des Kindes nicht verzichten wollen. 
Auch wenn heute die Väter einen größeren Beitrag zur Kindererziehung leisten, so bleibt es doch, abgesehen von wenigen Ausnahmen, an der Mutter, das Kind in den ersten Jahren rund um die Uhr zu betreuen. Und auch wenn sie das Kind noch so sehr lieben, so wird doch der Tag kommen, wo sie das Gefühl haben, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt. Einkaufen, Wäsche waschen, spielen, Essen kochen... Der Tagesablauf bleibt im großen und ganzen gleich. Sich die Zeit zu nehmen, für persönliche Entfaltung und Interessen ist nur möglich, wenn Großeltern, Vätern und andere Babysittern  einspringen. Frauen geraten oft ungewollt in eine Isolation, weil sie trotz Krabbelgruppe und Babyschwimmen doch die meiste Zeit nur mit dem Kind verbringen.
Aber auch die Kinder brauchen ihre Freiräume. Sie wollen die Welt erkunden und ihr Bewegungsdrang ist schier unerschöpflich. Da kann die Mutter noch so oft mit ihnen auf den Spielplatz gehen - die gewünschte Abnabelung von der Mutter wird dadurch nicht erreicht. Der Kindergarten bietet Eltern und Kinder neue Möglichkeiten sich Freiräume und Freunde zu schaffen. Das Kind lernt von anderen Kindern. Sie erfahren hier oft verstärkter ihre Grenzen, als innerhalb der Familie. Sie werden zwar beaufsichtigt, aber es wird  ihnen nichts abgenommen, was sie selber schon erledigen könnten. Die Erzieherinnen geben ihnen die nötige Hilfestellung und fördern damit die größtmögliche Selbstständigkeit.
Ob man sein Kind in den Kindergarten schickt oder nicht, dass bleibt natürlich Jedem selbst überlassen. Aber der Kindergarten ist zweifelsohne eine gute Lernstadion, wo die Kinder spielerisch auf den späteren Schulalltag vorbereitet werden. Sich gegen Andere durchzusetzen, seine Gefühle mitzuteilen und sein Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu nutzen, dass wird dem Kind spätestens in der Schule, nicht mehr von Vater oder Mutter abgenommen werden können. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt? zurück zur Übersicht

Jeder hat den Anspruch auf einen Kindergartenplatz und zwar wenn das Kind drei Jahre alt geworden ist. Aber drei Jahre ist nicht gleichbedeutend mit Kindergartenreife. Kinder sind individuell verschieden und sie signalisieren uns sehr genau, wenn sie reif genug sind, ein paar Stunden ohne die Eltern auszukommen. Wenn das Kind beginnt nach Selbstständigkeit zu streben, indem es beispielsweise nicht mehr an der Hand laufen mag, oder sich auf dem Spielplatz immer mehr von der Mutter entfernt. Wenn es Interesse bekundet am Spiel mit anderen Kindern und es die Bezugsperson mehr und mehr von sich weist, weil es ihm scheinbar lästig zu sein scheint, dass Mutter oder Vater ständig dabei sind, dann kann man davon ausgehen, dass das Kind reif genug ist, um in den Kindergarten zu gehen. 
Unser Verhalten trägt natürlich enorm dazu bei, dass das Kind eine altersgerechte Selbstständigkeit an den Tag legt. Wenn wir nie los lassen wollen, ihm nichts zutrauen und seinen Bewegungsdrang einengen, indem wie es an die kurze Leine legen und bei jeder möglichen Gefahr sofort zu Hilfe eilen, dann wird das Kind sich schwer tun, einige Stunden ohne den allgegenwärtigen "Aufpasser" zu verbringen.
Leider wird in einigen Kindergärten immer noch verlangt, dass das Kind "sauber" sein muss, wenn es aufgenommen werden möchte. Da wir heute aber wissen, dass die veraltete "Sauberkeitserziehung" meist nichts weiter mit sich bringt als Stress für Eltern und Kind, sollte man in diesem Fall vielleicht den Vorschlag unterbreiten, dass das Kind Ersatzkleidung mitbringen kann, oder das es bei wenigen Stunden, die es im Kindergarten ist, doch noch eine Windel umbehält. Und auch die Erzieherinnen werden dafür Sorge tragen, dass das Kind sauber bleibt, indem sie es immer wieder an den Toilettengang erinnern.
Denn eines dürfte klar sein: Auch Kinder, die eigentlich sauber sind, vergessen schnell mal im Spiel den Gang auf die Toilette.

Probleme im Vorwege zurück zur Übersicht

Mittlerweile gibt es eine größere Anzahl der unterschiedlichsten Kindertagesstätten. Von privaten Kindergärten bis hin zu Waldkindergärten haben die Eltern die Wahl. Aber nicht alle Kindergartenformen werden auch überall angeboten und gerade Eltern, die in ländlichen Gemeinden leben, müssen sich oft mit dem Kindergarten in der direkten Nachbarschaft "begnügen", da der Wunschkindergarten entweder gar nicht vorhanden ist, oder soweit entfernt vom Wohnort liegt, dass die Fahrt dorthin einen zu großen Aufwand mit sich bringen würde. Und selbst wenn man die passende Einrichtung gefunden hat, so bedeutet es noch lange nicht, dass man auch einen Platz bekommt. Der Anspruch auf einen Kindergartenplatz sagt nämlich nichts darüber aus, wo sich dieser Platz befinden muss und ob es sich um einen Vormittags, Nachmittags oder Ganztagesplatz handelt. Auch heute ist man immer noch gut beraten, wenn man sein Kind so frühzeitig wie möglich anmeldet und vielleicht auch gleich bei mehreren Einrichtungen, die einem zusagen. Außerdem ist zu beachten, dass die Aufnahme in den meisten Kindergärten zum neuen Schuljahr erfolgt. D.h., dass ein Kind, welches im Februar drei Jahre alt wird, nicht zwangsläufig auf einen freien Platz im Februar hoffen kann, sondern meist erst nach den Sommerferien ein Platz frei wird. 
Alleinerziehende werden meist vorrangig behandelt und das örtliche Jugendamt kann interessierten Eltern Adressen der Kindergärten in der Umgebung nennen.
Eltern, die sich mit der Frage beschäftigen, ob sie einen neuen Kindergarten gründen möchten, weil die gewünschte pädagogische Einrichtung vor Ort nicht vertreten ist, müssen mit einer Zeit von bis zu sieben Jahren rechnen, von der Idee bis zur Verwirklichung. Zumindest, wenn sie staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen wollen. Und letztendlich entscheidet die Gemeinde, ob der Bedarf an einem neuen Kindergarten besteht. Denn auch wenn vor Ort die Plätze knapp sind, so wird der Bedarf eventuell durch die Einrichtungen in der gesamten Gemeinde abgedeckt. Dann könnte es schwierig werden, eine  neue Einrichtung durchzusetzen.

Vorbereitung zurück zur Übersicht

Die beste Vorbereitung für die kommende Trennung von Eltern und Kind ist eine Gewöhnung des Kindes an die bevorstehende Situation.
Kinder, die beispielsweise schon vor dem Kindergartenbesuch, stundenweise bei einer Tagesmutter waren oder  eine sonstige vorrübergehende Trennung von der Bezugsperson bereits kennen, tun sich in der Regel nicht allzu schwer damit, sich auf die neue Veränderung einzustellen.
Der Antritt im Kindergarten sollte nach Möglichkeit nicht zusammen fallen, mit dem Antritt der Beschäftigung der Mutter. Oft hilft es beiden Seiten, wenn sie ohne zeitliche Beschränkung voneinander abschied nehmen können. Vielleicht möchte das Kind am Anfang nicht länger als eine Stunde im Kindergarten bleiben. Dann würde es zu einem echten Problem werden, wenn die Berufstätigkeit ein flexibles Agieren verhindern würde. Auch die Möglichkeit einer Erkrankung des Kindes muss in Erwähnung gezogen werden. Wer nimmt das Kind, wenn man selbst arbeiten gehen muss? Zwar hat der Arbeitnehmer Anspruch auf 10 bezahlte Krankheitstage des Kindes (Alleinerziehende 20 Tage im Jahr), aber wie schnell ist diese Zeit überschritten. Mit dem eintritt in den Kindergarten beginnt auch meist die Zeit der verschiedensten Kinderkrankheiten...
Eine gemeinsame Vorbereitung mit dem Kind kann z.B. sein, dass man zusammen die neue Regenkleidung für den Kindergarten aussucht, oder den Rucksack, welcher später die Ersatzkleidung beinhalten soll. Eine Brotdose muss eventuell angeschafft werden. Eine Riesen Party am dritten Geburtstag könnte dem Kind noch mehr signalisieren: Du bist schon so groß und darfst jetzt in den Kindergarten gehen.
Es gibt auch sehr schöne Bilderbücher, die man sich gemeinsam mit dem Kind anschauen kann und wo es um das Thema Kindergarten geht.
Der Besuch des Kindergartens kann auch schon im Vorwege geschehen: Probestunden vereinbaren, wo das Kind die neuen Erzieherinnen bereits kennen lernt. Vielleicht wird vom Kindergarten aus ja auch schon eine Krabbelgruppe angeboten, so dass die Räumlichkeiten und Personen ohnehin nicht mehr fremd sind.

Aller Anfang ist schwer zurück zur Übersicht

Nicht nur für das Kind beginnt mit dem Besuch des Kindergartens ein neuer Lebensabschnitt, sondern auch für die Eltern. Bislang war man die meiste Zeit mit dem Kind zusammen. Und auch wenn man froh darüber ist, dass man einen Kindergartenplatz bekommen hat, das Kind gut untergebracht weiß und für sich selbst die Frage, ob das Kind in den Kindergarten soll, längst bejaht hat, so tauchen doch oft ganz zwielichtige Gefühle auf, sobald der Tag X  gekommen ist. 
Schuldgefühle plagen einen, weil man denkt, man hätte das Kind abgeschoben. Man sieht sich der Kritik von anderen Müttern ausgesetzt, weil diese ihre eigenen Kinder nicht in den Kindergarten geben und nun meinen, alle Eltern, die sich für den Kindergarten entscheiden, wären Rabeneltern. Da kommt die Angst, das Kind würde sich nicht zurecht finden, andere Kinder würden es hauen, oder keiner wird mit ihm spielen wollen. Oder die nagenden Zweifel, ob die Erzieherinnen sich wirklich intensiv mit den Kindern beschäftigen und sie überhaupt in der Lage sind, auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen. Da wird überlegt, ob die Kinder ihre Zeit im Kindergarten richtig nutzen können mit einer Mischung aus Spiel, Spaß und Bewegung. Wird vielleicht zuwenig gebastelt, hocken die Kinder auch bei gutem Wetter im Haus, kümmert sich Jemand darum den Kindern bei nasskaltem Wetter die Handschuhe anzuziehen oder die Regenhose?
Passen die Erzieherinnen auch gut genug auf, um zu verhindern, dass das Kind von der Rutsche fällt oder greifen sie rechtzeitig ein, wenn es zu Handgreiflichkeiten zwischen den Kindern kommt.
Aber auch das eigene Verhalten unseres Kindes kann zum Problem für uns werden. Es zeigt plötzlich Aggressionen, die es Zuhause in der Form nie gezeigt hat. Es ist still und lässt sich alles gefallen. Es wird zum Einzelgänger und lässt weder die Gruppe noch die Erzieherinnen an sich ran. 
Wir erleben unser Kind in einer Umgebung, an die es sich auch erst gewöhnen muss. Plötzlich ist es nicht mehr Mamas Liebling, sondern eines von vielen Kindern. Es erfährt vielleicht auch das erste Mal, was es bedeutet mit anderen Kindern teilen zu müssen oder erfahren wie es ist geschubst zu werden.
Wir sollten unserem Kind und uns, genau wie den Erzieherinnen eine gewisse Zeit zugestehen, damit wir uns Alle aneinander gewöhnen können. Und falls dennoch Zweifel bleiben oder das Gefühl des Unbehagens, dann kann ein klärendes Gespräch oft helfen.

Elternarbeit zurück zur Übersicht

Kein Kindergarten sollte als Aufbewahrungsplatz für die Kinder gesehen werden. Das Kind hinzubringen und wieder anzuholen sollte nicht die einzige Aktivität von Seiten der Eltern bleiben.
Aktive Elternarbeit kann schon darin bestehen, dass man an den Elternabenden teilnimmt. Auch Elternstammtische sind eine gute Gelegenheit sich mit Anderen auszutauschen. In einigen Kindergärten gibt es einen Kaffeetisch, an dem die Eltern eine gewisse Zeit verbleiben können, um sich zu unterhalten und kennen zu lernen. In manchen Einrichtungen wird von den Eltern eine Menge Eigeninitiative von vorneherein erwartet. In den Waldorfkindergärten z.B. ist es gern gesehen, wenn die Eltern eine wöchentliche oder monatliche Arbeitsleistung erbringen, z.B. wenn es darum geht den Garten zu bepflanzen oder die Räumlichkeiten zu renovieren.
Letztendlich ist es entscheidend, welchen Enthusiasmus die Eltern an den Tag legen, um sich aktiv mit den Belangen des Kindergartens zu beschäftigen. Von lockeren Treffen zwischen einzelnen Müttern bis hin zur Wahl des Elternbeirats kann man für sich selbst entscheiden, ob und was einem wichtig ist und ob man Lust und Zeit hat, sich aktiv zu werden. Und man sollte stets das Engagement der Anderen respektieren. Nicht Alle haben immer gleich viel Lust sich regelmäßig zu treffen oder an monatlichen Elternabenden teilzunehmen. Und es ist auch nicht Jedermanns Sache sich zur Wahl des Elternbeirats aufstellen zu lassen. Genau wie die Kindergartengruppe sollten auch die Erwachsenen als Individuum betrachtet werden und Gruppenzwang sollte nie zur treibenden Kraft mutieren.

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