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Soll das Kind überhaupt in den
Kindergarten? 
Die Frage, ob das Kind in den Kindergarten soll, wird
oft durch ein "muss" ersetzt. Denn viele Eltern brauchen diese
Einrichtung, weil sie Zeit für ihr Berufsleben benötigen. Gerade
Familien, in denen das Geld knapp ist, sind meist froh darüber, wenn
sie einen Kindergartenplatz bekommen haben. So kann auch die Mutter
wieder einer Arbeit nachgehen und zum Lebensunterhalt beitragen. Aber es
gibt auch genug Mütter, die nicht arbeiten bräuchten, aber dennoch
zurück in den Beruf wollen.
Im Laufe der Jahre hat sich Vieles im Bereich der Familien verändert:
Frauen werden nicht mehr wie früher auf ein Dasein als Mutter und
Hausfrau reduziert. Sie erlernen meist einen Beruf, studieren und noch
bevor sie über Nachwuchs nachdenken, haben sie eine gefestigte Position
im Berufsalltag. Das bedeutet Unabhängigkeit und sie erfahren dadurch
eine Befriedigung, auf die sie auch nach der Geburt des Kindes nicht
verzichten wollen.
Auch wenn heute die Väter einen größeren Beitrag zur Kindererziehung
leisten, so bleibt es doch, abgesehen von wenigen Ausnahmen, an der
Mutter, das Kind in den ersten Jahren rund um die Uhr zu betreuen. Und
auch wenn sie das Kind noch so sehr lieben, so wird doch der Tag kommen,
wo sie das Gefühl haben, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt.
Einkaufen, Wäsche waschen, spielen, Essen kochen... Der Tagesablauf
bleibt im großen und ganzen gleich. Sich die Zeit zu nehmen, für
persönliche Entfaltung und Interessen ist nur möglich, wenn
Großeltern, Vätern und andere Babysittern einspringen. Frauen
geraten oft ungewollt in eine Isolation, weil sie trotz Krabbelgruppe
und Babyschwimmen doch die meiste Zeit nur mit dem Kind verbringen.
Aber auch die Kinder brauchen ihre Freiräume. Sie wollen die Welt
erkunden und ihr Bewegungsdrang ist schier unerschöpflich. Da kann die
Mutter noch so oft mit ihnen auf den Spielplatz gehen - die gewünschte
Abnabelung von der Mutter wird dadurch nicht erreicht. Der Kindergarten
bietet Eltern und Kinder neue Möglichkeiten sich Freiräume und Freunde
zu schaffen. Das Kind lernt von anderen Kindern. Sie erfahren hier oft
verstärkter ihre Grenzen, als innerhalb der Familie. Sie werden zwar
beaufsichtigt, aber es wird ihnen nichts abgenommen, was sie
selber schon erledigen könnten. Die Erzieherinnen geben ihnen die
nötige Hilfestellung und fördern damit die größtmögliche
Selbstständigkeit.
Ob man sein Kind in den Kindergarten schickt oder nicht, dass bleibt
natürlich Jedem selbst überlassen. Aber der Kindergarten ist
zweifelsohne eine gute Lernstadion, wo die Kinder spielerisch auf den
späteren Schulalltag vorbereitet werden. Sich gegen Andere
durchzusetzen, seine Gefühle mitzuteilen und sein Selbstvertrauen in
die eigenen Fähigkeiten zu nutzen, dass wird dem Kind spätestens in
der Schule, nicht mehr von Vater oder Mutter abgenommen werden
können. |
Wann ist der richtige
Zeitpunkt?
Jeder hat den Anspruch auf einen Kindergartenplatz und zwar wenn das
Kind drei Jahre alt geworden ist. Aber drei Jahre ist nicht
gleichbedeutend mit Kindergartenreife. Kinder sind individuell
verschieden und sie signalisieren uns sehr genau, wenn sie reif genug
sind, ein paar Stunden ohne die Eltern auszukommen. Wenn das Kind
beginnt nach Selbstständigkeit zu streben, indem es beispielsweise
nicht mehr an der Hand laufen mag, oder sich auf dem Spielplatz immer
mehr von der Mutter entfernt. Wenn es Interesse bekundet am Spiel mit
anderen Kindern und es die Bezugsperson mehr und mehr von sich weist,
weil es ihm scheinbar lästig zu sein scheint, dass Mutter oder Vater
ständig dabei sind, dann kann man davon ausgehen, dass das Kind reif
genug ist, um in den Kindergarten zu gehen.
Unser Verhalten trägt natürlich enorm dazu bei, dass das Kind eine
altersgerechte Selbstständigkeit an den Tag legt. Wenn wir nie los
lassen wollen, ihm nichts zutrauen und seinen Bewegungsdrang einengen,
indem wie es an die kurze Leine legen und bei jeder möglichen Gefahr
sofort zu Hilfe eilen, dann wird das Kind sich schwer tun, einige
Stunden ohne den allgegenwärtigen "Aufpasser" zu verbringen.
Leider wird in einigen Kindergärten immer noch verlangt, dass das Kind
"sauber" sein muss, wenn es aufgenommen werden möchte. Da wir
heute aber wissen, dass die veraltete "Sauberkeitserziehung"
meist nichts weiter mit sich bringt als Stress für Eltern und Kind,
sollte man in diesem Fall vielleicht den Vorschlag unterbreiten, dass
das Kind Ersatzkleidung mitbringen kann, oder das es bei wenigen
Stunden, die es im Kindergarten ist, doch noch eine Windel umbehält.
Und auch die Erzieherinnen werden dafür Sorge tragen, dass das Kind
sauber bleibt, indem sie es immer wieder an den Toilettengang erinnern.
Denn eines dürfte klar sein: Auch Kinder, die eigentlich sauber sind,
vergessen schnell mal im Spiel den Gang auf die Toilette. |
Probleme im Vorwege
Mittlerweile gibt es eine größere Anzahl der unterschiedlichsten
Kindertagesstätten. Von privaten Kindergärten bis hin zu
Waldkindergärten haben die Eltern die Wahl. Aber nicht alle
Kindergartenformen werden auch überall angeboten und gerade Eltern, die
in ländlichen Gemeinden leben, müssen sich oft mit dem Kindergarten in
der direkten Nachbarschaft "begnügen", da der
Wunschkindergarten entweder gar nicht vorhanden ist, oder soweit
entfernt vom Wohnort liegt, dass die Fahrt dorthin einen zu großen
Aufwand mit sich bringen würde. Und selbst wenn man die passende
Einrichtung gefunden hat, so bedeutet es noch lange nicht, dass man auch
einen Platz bekommt. Der Anspruch auf einen Kindergartenplatz sagt
nämlich nichts darüber aus, wo sich dieser Platz befinden muss und ob
es sich um einen Vormittags, Nachmittags oder Ganztagesplatz handelt.
Auch heute ist man immer noch gut beraten, wenn man sein Kind so
frühzeitig wie möglich anmeldet und vielleicht auch gleich bei
mehreren Einrichtungen, die einem zusagen. Außerdem ist zu beachten,
dass die Aufnahme in den meisten Kindergärten zum neuen Schuljahr
erfolgt. D.h., dass ein Kind, welches im Februar drei Jahre alt wird,
nicht zwangsläufig auf einen freien Platz im Februar hoffen kann,
sondern meist erst nach den Sommerferien ein Platz frei wird.
Alleinerziehende werden meist vorrangig behandelt und das örtliche
Jugendamt kann interessierten Eltern Adressen der Kindergärten in der
Umgebung nennen.
Eltern, die sich mit der Frage beschäftigen, ob sie einen neuen
Kindergarten gründen möchten, weil die gewünschte pädagogische
Einrichtung vor Ort nicht vertreten ist, müssen mit einer Zeit von bis
zu sieben Jahren rechnen, von der Idee bis zur Verwirklichung.
Zumindest, wenn sie staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen wollen.
Und letztendlich entscheidet die Gemeinde, ob der Bedarf an einem neuen
Kindergarten besteht. Denn auch wenn vor Ort die Plätze knapp sind, so
wird der Bedarf eventuell durch die Einrichtungen in der gesamten
Gemeinde abgedeckt. Dann könnte es schwierig werden, eine neue
Einrichtung durchzusetzen. |
Vorbereitung
Die beste Vorbereitung für die kommende Trennung von Eltern und Kind
ist eine Gewöhnung des Kindes an die bevorstehende Situation.
Kinder, die beispielsweise schon vor dem Kindergartenbesuch,
stundenweise bei einer Tagesmutter waren oder eine sonstige
vorrübergehende Trennung von der Bezugsperson bereits kennen, tun sich
in der Regel nicht allzu schwer damit, sich auf die neue Veränderung
einzustellen.
Der Antritt im Kindergarten sollte nach Möglichkeit nicht zusammen
fallen, mit dem Antritt der Beschäftigung der Mutter. Oft hilft es
beiden Seiten, wenn sie ohne zeitliche Beschränkung voneinander
abschied nehmen können. Vielleicht möchte das Kind am Anfang nicht
länger als eine Stunde im Kindergarten bleiben. Dann würde es zu einem
echten Problem werden, wenn die Berufstätigkeit ein flexibles Agieren
verhindern würde. Auch die Möglichkeit einer Erkrankung des Kindes
muss in Erwähnung gezogen werden. Wer nimmt das Kind, wenn man selbst
arbeiten gehen muss? Zwar hat der Arbeitnehmer Anspruch auf 10 bezahlte
Krankheitstage des Kindes (Alleinerziehende 20 Tage im Jahr), aber wie
schnell ist diese Zeit überschritten. Mit dem eintritt in den
Kindergarten beginnt auch meist die Zeit der verschiedensten
Kinderkrankheiten...
Eine gemeinsame Vorbereitung mit dem Kind kann z.B. sein, dass man
zusammen die neue Regenkleidung für den Kindergarten aussucht, oder den
Rucksack, welcher später die Ersatzkleidung beinhalten soll. Eine
Brotdose muss eventuell angeschafft werden. Eine Riesen Party am dritten
Geburtstag könnte dem Kind noch mehr signalisieren: Du bist schon so
groß und darfst jetzt in den Kindergarten gehen.
Es gibt auch sehr schöne Bilderbücher, die man sich gemeinsam mit dem
Kind anschauen kann und wo es um das Thema Kindergarten geht.
Der Besuch des Kindergartens kann auch schon im Vorwege geschehen:
Probestunden vereinbaren, wo das Kind die neuen Erzieherinnen bereits
kennen lernt. Vielleicht wird vom Kindergarten aus ja auch schon eine
Krabbelgruppe angeboten, so dass die Räumlichkeiten und Personen
ohnehin nicht mehr fremd sind. |
Aller Anfang ist schwer
Nicht nur für das Kind beginnt mit dem Besuch des Kindergartens ein
neuer Lebensabschnitt, sondern auch für die Eltern. Bislang war man die
meiste Zeit mit dem Kind zusammen. Und auch wenn man froh darüber ist,
dass man einen Kindergartenplatz bekommen hat, das Kind gut
untergebracht weiß und für sich selbst die Frage, ob das Kind in den
Kindergarten soll, längst bejaht hat, so tauchen doch oft ganz
zwielichtige Gefühle auf, sobald der Tag X gekommen ist.
Schuldgefühle plagen einen, weil man denkt, man hätte das Kind
abgeschoben. Man sieht sich der Kritik von anderen Müttern ausgesetzt,
weil diese ihre eigenen Kinder nicht in den Kindergarten geben und nun
meinen, alle Eltern, die sich für den Kindergarten entscheiden, wären
Rabeneltern. Da kommt die Angst, das Kind würde sich nicht zurecht
finden, andere Kinder würden es hauen, oder keiner wird mit ihm spielen
wollen. Oder die nagenden Zweifel, ob die Erzieherinnen sich wirklich
intensiv mit den Kindern beschäftigen und sie überhaupt in der Lage
sind, auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen. Da wird
überlegt, ob die Kinder ihre Zeit im Kindergarten richtig nutzen
können mit einer Mischung aus Spiel, Spaß und Bewegung. Wird
vielleicht zuwenig gebastelt, hocken die Kinder auch bei gutem Wetter im
Haus, kümmert sich Jemand darum den Kindern bei nasskaltem Wetter die
Handschuhe anzuziehen oder die Regenhose?
Passen die Erzieherinnen auch gut genug auf, um zu verhindern, dass das
Kind von der Rutsche fällt oder greifen sie rechtzeitig ein, wenn es zu
Handgreiflichkeiten zwischen den Kindern kommt.
Aber auch das eigene Verhalten unseres Kindes kann zum Problem für uns
werden. Es zeigt plötzlich Aggressionen, die es Zuhause in der Form nie
gezeigt hat. Es ist still und lässt sich alles gefallen. Es wird zum
Einzelgänger und lässt weder die Gruppe noch die Erzieherinnen an sich
ran.
Wir erleben unser Kind in einer Umgebung, an die es sich auch erst
gewöhnen muss. Plötzlich ist es nicht mehr Mamas Liebling, sondern
eines von vielen Kindern. Es erfährt vielleicht auch das erste Mal, was
es bedeutet mit anderen Kindern teilen zu müssen oder erfahren wie es
ist geschubst zu werden.
Wir sollten unserem Kind und uns, genau wie den Erzieherinnen eine
gewisse Zeit zugestehen, damit wir uns Alle aneinander gewöhnen
können. Und falls dennoch Zweifel bleiben oder das Gefühl des
Unbehagens, dann kann ein klärendes Gespräch oft helfen. |
Elternarbeit
Kein Kindergarten sollte als Aufbewahrungsplatz für die Kinder
gesehen werden. Das Kind hinzubringen und wieder anzuholen sollte nicht
die einzige Aktivität von Seiten der Eltern bleiben.
Aktive Elternarbeit kann schon darin bestehen, dass man an den
Elternabenden teilnimmt. Auch Elternstammtische sind eine gute
Gelegenheit sich mit Anderen auszutauschen. In einigen Kindergärten
gibt es einen Kaffeetisch, an dem die Eltern eine gewisse Zeit
verbleiben können, um sich zu unterhalten und kennen zu lernen. In
manchen Einrichtungen wird von den Eltern eine Menge Eigeninitiative von
vorneherein erwartet. In den Waldorfkindergärten z.B. ist es gern
gesehen, wenn die Eltern eine wöchentliche oder monatliche
Arbeitsleistung erbringen, z.B. wenn es darum geht den Garten zu
bepflanzen oder die Räumlichkeiten zu renovieren.
Letztendlich ist es entscheidend, welchen Enthusiasmus die Eltern an den
Tag legen, um sich aktiv mit den Belangen des Kindergartens zu
beschäftigen. Von lockeren Treffen zwischen einzelnen Müttern bis hin
zur Wahl des Elternbeirats kann man für sich selbst entscheiden, ob und
was einem wichtig ist und ob man Lust und Zeit hat, sich aktiv zu
werden. Und man sollte stets das Engagement der Anderen respektieren.
Nicht Alle haben immer gleich viel Lust sich regelmäßig zu treffen
oder an monatlichen Elternabenden teilzunehmen. Und es ist auch nicht
Jedermanns Sache sich zur Wahl des Elternbeirats aufstellen zu lassen.
Genau wie die Kindergartengruppe sollten auch die Erwachsenen als
Individuum betrachtet werden und Gruppenzwang sollte nie zur treibenden
Kraft mutieren. |
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