Kind und Job - Probleme von "Rabenmüttern"
Frauen wollen mehr, als "nur" Mutter sein. Frauen wollen Kinder, einen Job und Glück im Leben. Was vor hundert Jahren noch die Ausnahme war, wird heute zum Regelfall. Mütter arbeiten, entweder weil sie es wollen oder weil sie es müssen. Arbeitende Mütter sind Rabenmütter? Ja, und das auch zum Wohl ihrer Kinder.

Inhalt

Gedanken zum Muttertag - Textauszug aus einem Buch von C. Olivier

Von der Kunst eine perfekte Rabenmutter zu sein

Der Partner ist manchmal das größte Hindernis

Zurück in den Beruf - aber wie?

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Wie ich meinen Eltern den letzten Nerv raube

Diesen Textausschnitt bekam ich von Marion.

Gedanken zum Muttertag (Aus: „Jokastes Kinder“, von Christiane Olivier) Zum Anfang der Seite

„Eine Reisende ohne Gepäck“
Heimkehr zu mir selbst, über meine Erwartungen sprechen, über meine Enttäuschungen, meine Wünsche: Diese Nacht soll der Begegnung mit meinem Leben als Frau gewidmet sein. Ich werde von mir selbst sprechen. Nur wie? Habe ich denn nicht seit dem Beginn dieser Reise nur das getan? Nein, denn meistens habe ich von „ihm“ und von „mir“ gesprochen, habe davon berichtet, wie wir mehr oder weniger harmonisch zusammen wanderten, habe unseren Zickzackkurs beschrieben, der uns immer wieder voneinander entfernte, um uns bald danach wieder zusammenzuführen. Ich und meine Wünsche, er und seine Verweigerungen, das waren die ödipalen Schnittpunkte unserer beiden Wege. Bei diesen Begegnungen wurde uns bewusst, welchen Weg wir seit Jokaste zurückgelegt haben und welche Strecke wir noch bewältigen müssen, um sie vergessen zu können. Ich habe meine Wünsche zu verbergen gelernt, er hat gelernt, seine Verweigerungen zu nuancieren; Ich habe aufgehört, von mir zu verlangen, ihm „in jeder Hinsicht“ zu gefallen, und er hat mir nicht gesagt, dass er mit meiner Intelligenz nichts zu schaffen habe, aber er hat es so eingerichtet, dass ich sie für sehr spezifische Aufgaben einsetze, insbesondere häusliche, für die er sich nicht eignet – so stellt er sich zumindest dar. Er hat versucht, mir freundlich einen Klappsitz neben seinem Orchestersessel zu geben. All dies wurde so taktvoll eingefädelt, war gesellschaftlich so anerkannt, dass es schwer war, sich dagegen aufzulehnen. Es war zum Beispiel ausgeschlossen, dass ich den Posten als Erziehungsverantwortliche hätte verlassen können , denn wer hätte sich an meiner Stelle um die Erziehung gekümmert? Er gab mir vor, nicht zu sehen, dass das Gewicht der Zukunft der Kinder in der Waagschale meines eigenen Lebens zu schwer zu werden drohte. Von meiner Verheiratung an hat man mir ein Leben aus zweiter Hand zugemutet... Ich musste von der Freude anderer leben, musste über ihren Schlaf wachen, über ihre Gesundheit, über den Appetit bei ihren Mahlzeiten und musste mich darüber freuen, wenn all dies gut vonstatten ging, musste aus „ihrem“ Leben „mein“ Leben machen.
Das ist es, was es bedeutet, Frau zu sein: sich mit den Krümeln der Mahlzeit begnügen; die Bruchstücke einer Unterhaltung genießen, für die die anderen die Muße haben; aufstehen, während die anderen sitzen bleiben und so weiter. Frau zu sein bedeutet, immer ein bisschen im Abseits zu leben, neben dem Geschehen, und das führt schließlich dazu, dass sie eine immer größere Frustration empfindet. Die Frau ist eine Schnecke, deren Haus sich alle ausleihen, um es warm zu haben, während sie selbst häufig fast erfriert. Die Frau ist eine Reisende ohne Gepäck, die zum Gepäckträger der anderen wird. Was nun die Reise selbst angeht, so führt sie die Frau nie zu sich nach Hause, sondern immer nur zu den anderen. Die Frau ist die, die sich nicht finden kann, weil sie ihre Zeit damit verbringt, von sich wegzugehen, um zu den anderen zu gelangen; unglaubliche Mama, die ihren Platz von anderen zugewiesen bekommt und die dem Himmel dankt, dass sie endlich überhaupt einen Platz hat, sie, die bis dahin nie einen hatte. Man hatte ihr eingetrichtert, dass ihre Identität sich nicht im tiefsten Innern ihres Selbst verberge, sondern im Innern des „anderen“ zu suchen sei! Immer auf dem Weg, weg von sich selbst, immer auf der Flucht vor sich selbst, so lebt die Frau ihr Leben. Sie hat lange gehofft, dass ihr wirkliches Sein eines Tages dem Traum des Mannes entsprechen würde und dass sie endlich aufhören könnte, zu lügen und Tricks anzuwenden. Weit gefehlt. Der Traum des Mannes von der Frau geht eindeutig nur in eine Richtung: „Gefährtin gesucht, zwanzig bis vierzig Jahre, sanftmütig, treu, zärtlich, bescheiden, möglichst hübsch“ – so will er uns, so zeigen wir uns. Nur, so sind wir nicht!
Die Kunst eine perfekte Rabenmutter zu sein: Zum Anfang der Seite

Viele Mütter plagt das schlechte Gewissen, wenn sie die lieben Kleinen in die Obhut fremder Menschen geben (müssen), weil sie arbeiten gehen. Dazu kommt noch, dass einige Frauen und auch Männer, sich dazu berufen fühlen, diese Mütter zu Rabenmüttern zu deklarieren. Welche Vor- und Nachteile hat es denn nun, wenn Mama arbeiten geht?
Ein nicht von der Hand zuweisender Vorteil ist zweifelsohne der finanzielle Aspekt. Nur wenige Menschen gehen zur Arbeit, weil es ihnen so unendlich viel Spaß macht, sondern weil sie arbeiten gehen müssen um Geld zu verdienen. Aber dennoch bietet ein Job noch andere nennenswerte Vorzüge, die das Leben von berufstätigen Müttern bereichern können.
Die sozialen Kontakte, die man im Berufsleben hat, sowie berufliche Erfolge und die Gewissheit, dass man den Anschluss nicht verliert, sorgen im allgemeinen für eine positivere Denkweise. Berufstätige Mütter sehen in ihrem Job einen Ausgleich zum alltäglichen Allerlei zwischen Bügeln und Spielzeiten mit den Kleinen. Und je mehr sich die Kinder vom Elternhaus abnabeln (eine Studie hat einmal ergeben, dass schulpflichtige Kinder im Schnitt gerade mal eine Stunde mit Nichtstun verbringen und die übrige Zeit für Essen, Schlafen, Schule und Sport, Musikunterricht, Ballett etc. drauf geht), desto mehr freie Zeit hat auch eine Mutter. Aber viele Mütter sind dann bereits über Jahre hinweg aus dem Berufsleben raus und den Anschluss zu finden ist nicht leicht.
Arbeitende Mütter machen Kinder selbstständiger heißt es. Die Kinder lernen, dass die Mutter nicht zu jeder Zeit verfügbar ist. Sie gehen in Kindergärten, Krippen, zu den Großeltern oder zur Tagesmutter. Dort sind sie auf sich gestellt. Sie können nicht die Mama herbei rufen, wenn das andere Tageskind ihnen zum dritten Mal den Roller wegnimmt oder wenn die Kindergartengruppe ein Spiel spielt, an dem sie nicht teilnehmen wollen. Ihr soziales Umfeld wächst und damit auch die zwangsweise Abnabelung von der Mutter.
Und sie lernen ganz nebenbei, dass Geld zum Leben dazu gehört. Das die Mutter auch arbeiten geht, damit das neue Fahrrad zum Geburtstag auch tatsächlich angeschafft werden kann.
Das weniger Zeit für Mutter und Kind bleibt, z.B. zum gemeinsamen Spiel, macht vor allem den Müttern Kopf zerbrechen. Aber leben sie diese kostbare Zeit nicht umso intensiver?
Und Kinder, die liebevoll zur Tagesmutter "Mama" sagen, sind der angebliche Beweis dafür, welchen Schaden es anrichten kann, dass die Mutter arbeitet. Aber Kinder vergessen keineswegs, dass sie eine liebende Mutter haben. Sie verteilen ihre Liebe nur neu und wollen ganz sicher nicht die Mutter "bestrafen". Die angeblichen Nachteile, sind meiner Meinung nach nur Entschuldigungen der Mütter, die mit der veränderten Situation nicht klar kommen. Kinder empfinden in den meisten Fällen die neue Situation als sehr viel unproblematischer. Allerdings setzt das auch voraus, dass man sie auf die neue Situation vorbereitet und man selber beim täglichen "Abschied" nicht ständig einen leidenden Blick aufsetzt und mit belegter Zunge dem Kind ein "Tschüß, bis heute Nachmittag" mit auf den Weg gibt. Denn Kinder bekommen sonst das Gefühl, dass die Mutter unter der Situation schrecklich leidet und sie wollen um so schwerer loslassen, weil die Mutter doch nur in ihrer Gegenwart glücklich ist.
Viele Mütter vollführen tagtäglich einen Spagat zwischen  Kindern, Küche und Kariere. Damit sind sie doch geradezu prädestiniert, um einen guten Job zu bekommen. Doch immer noch herrschen in der Chefetage Vorurteile gegenüber Müttern mit kleineren Kindern vor.
Und Mütter, abgeschreckt von den Absagen, die ihnen auf ihrer Jobsuche begegnen, nehmen irgendwann einen Job an, der ganz und gar nicht ihrer Qualifikation entspricht.
Der Partner ist manchmal das größte Hindernis: Zum Anfang der Seite

Man möchte wieder arbeiten gehen. Man sucht eine geeignete Betreuungsstelle für das Kind. Man erzählt dem Partner von seinen Absichten. Und der ist strikt dagegen!
Ein Einzelfall? Sicherlich nicht.
Der Partner bringt Einwände wie :"Wie kannst Du das arme Kind nur zu Frau X bringen wollen?" - "Das lasse ich auf keinen Fall zu, dass Du kaum noch Zeit für unsere Kinder hast." - "Das haben wir finanziell doch gar nicht nötig."
Stop! Wer denkt denn dabei an die Wünsche der Frau? Frau sein ist toll und Mutter sein bedeutet, reduziert werden auf Kind und Küche? Der Partner hat also das Recht sich mit Kollegen auszutauschen, Erfolg im Beruf zu haben, oder sogar sein eigener Chef zu sein und man selber ist "nur" noch das Heimchen am Herd? Wofür hat man vielleicht sechs Jahre studiert? Hat eine gute Ausbildung gemacht? Hatte eine leitende Position?
Bevor das Kind da war, war der Partner stolz auf einen. Die Haushaltskasse war gefüllter, Extra Wünsche kein großes Problem. Und dann wird man Mutter und das Leben ist vorbei? Die Kinder gehen irgendwann aus dem Haus, der Partner hat seinen Job und man selber?
Aber auch bei arbeitenden Frauen sind es oft die Partner, die die Frau ziemlich im Regen stehen lassen, was z.B. die Hausarbeit angeht. Mit dem Kind zuhause konnte man stundenlang kochen, schrubben und bügeln. Aber plötzlich geht man wieder arbeiten. Vielleicht sogar wieder Vollzeit. Und der Partner? Hat er sich doch auch schon vorher nicht um die Hausarbeit gekümmert, oder den Einkauf, so wird er auch jetzt keine Veranlassung sehen. Männerarbeit ist ja soviel aufreibender als Frauenarbeit. Und schließlich wollte die Partnerin ja arbeiten gehen - das hat sie nun davon!
Wer hier nicht eine neue Aufgabenverteilung vornimmt, der wird schnell unter der Dreifach Belastung von Kind, Job und Haushalt erdrückt. Und der ist auch selber Schuld, wenn die Kinder abends nur an Papis Hals hängen und ihn als das Beste auf der Welt ansehen. Schließlich hat man ja auch keine Zeit für die Kinder, so wie es der Papi hat. Man muss ja noch seine Hemden bügeln und das Abendessen bereiten.

Zurück in den Beruf - aber wie? Zum Anfang der Seite

Man kann drei Jahre oder länger Zuhause sitzen und hoffen, es wird alles wieder so, wie es mal war. Aber dann stellt man schnell fest, dass das in den meisten Fällen leider nicht zutrifft. Viele Mütter können und wollen beispielsweise nach der Babypause nur noch stundenweise arbeiten. Bietet der alte Betrieb überhaupt die Möglichkeit? Man hat im Büro am PC gearbeitet und stellt beim Wiedereinstieg fest, dass man keines der neuen Programme kennt. Man ist auf Stellensuche, aber Keiner will einen einstellen. Nicht etwa, weil man keine Qualifikation hätte, sondern weil das Kind vielleicht krank werden könnte oder unvorhergesehene Ereignisse eintreten, so dass man nicht arbeiten gehen kann, wie z.B. die kurzfristige Schließung des Kindergartens, weil eine Windpockenepidemie ausgebrochen ist, und nun hat man keinen anderen Babysitter. Chefs sagen dies natürlich nicht in aller Deutlichkeit. Aber die Negativeinstellung gegenüber Müttern von kleineren Kindern ist wohl hinlänglich bekannt. Man findet erst gar keinen Betreuungsplatz, weil die Kindergärten voll sind, eine Tagesmutter nicht zu finden ist und die Oma leider 600km entfernt wohnt.
In allen Situationen hilft nur eines: Eigeninitiative.
Schon vor dem Erziehungsurlaub mit dem Chef abklären, ob man später auch Teilzeit arbeiten kann.  Durch ständige Gespräche mit den Kollegen kann man sich auf dem Laufenden halten, Volkshochschulkurse zur Weiterbildung nutzen, mit anderen Müttern eine eigene Betreuungsgruppe gründen oder einen neuen Kindergarten. Früh genug beim Arbeitsamt vorstellig werden, um die Möglichkeiten einer Umschulung oder Fortbildungsmaßnahme zu durchleuchten. Bewerbungen zeitgemäß verfassen und jedem Anschreiben eine persönliche Note geben, um sich aus der Schar der Bewerber hervor zu tun. Im Erziehungsurlaub vielleicht endlich mal wieder sein Englisch auffrischen oder die PC Kenntnisse. Dem Arbeitgeber anbieten stundenweise oder als Urlaubsvertretung einzuspringen.
Call Center sind geradezu ideal für Mütter, weil man hier stundenweise arbeiten kann. Und im Bereich Computer kann man sich wunderbar selbstständig machen und vielleicht Webdesign anbieten. Oder man macht sich mit einem Internetshop selbstständig. Über das Internet kann man einfach alles verkaufen. Und wer sich nicht zu schade ist, der kann auch mehrere Putzstellen annehmen oder in einem Supermarkt an die Kasse gehen.
Auf jeden Fall sollte man jede Möglichkeit ausschöpfen. Beginnend beim Arbeitsamt bis hin zur Zeitarbeitsfirma. Und selbstbewusstes Auftreten kann nur von Vorteil sein. Das gilt bei den zukünftigen Chefs genauso, wie beim Gespräch mit dem Mitarbeiter des Arbeitsamtes. Man muss lernen zu erkennen, wo seine Stärken und wo seine Schwächen sind. An Beiden kann man arbeiten.

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Das Arbeitsamt bietet spezielle Programme für Berufsrückkehrerinnen an. Denn es zeigt sich, dass Frauen, die lange aus dem Beruf sind, oft nicht mehr über die nötige Qualifikation verfügen um auf dem Arbeitsmarkt noch gute Chancen zu haben. Ein Gespräch mit dem Berufsberater kann klären, ob man an einer Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen kann. Auch Frauen, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld- oder Hilfe haben können dennoch an den Weiterbildungsmaßnahmen des Arbeitsamtes teilnehmen. Maßgeblich ist der Zeitraum der Kinderbetreuung.

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