Zivilcourage - mehr als nur ein Wort

Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht EINIG ist. (Hesse)
Was bedeutet das eigentlich "Zivilcourage"? Und warum ist es notwendig darüber zu schreiben?
Courage bedeutet Mut und kommt aus dem Französischen. Zivilcourage zu haben, bedeutet nichts anderes, als seine Meinung vor Anderen mutig zu vertreten. 
Aber es bedeutet auch, dass man mutig genug ist zu helfen, wo Hilfe erforderlich ist. 
Zu helfen ist doch selbstverständlich!
Ist es das wirklich? Wer hilft, wenn der Mann seine Frau verprügelt; wenn der Ausländer zusammengeschlagen wird; wenn der Dieb die Kassiererin mit einem Messer bedroht; wenn ein Kind geschlagen, sexuell misshandelt oder sogar getötet wird? 
Ich habe doch davon nichts gewusst. Hätte ich eingegriffen, wäre ich vielleicht selber zum Opfer geworden.
Nichts zu wissen ist eine Sache. Nichts wissen zu wollen eine Andere. Und Opfer ist man ohnehin. Wenn nicht Opfer des Täters - dann Opfer seiner selbst. Denn mit dem eigenen Gewissen leben zu müssen, kann Jeden zu einem lebenslänglichen Opfer werden lassen.

Die Menschen zu verurteilen, die einfach nur zugesehen haben, soll hier nicht das Anliegen sein. Genauso wenig wie ein allgemeingültiges Urteil über die Täter abzugeben. Vielmehr möchte ich versuchen an Hand von Fallbeispielen zu zeigen, warum es für uns Alle wichtig ist, dass Zivilcourage nicht nur ein Wort bleibt. 

Themenübersicht:

Fehlende Zivilcourage - ein Phänomen unserer Zeit?

Kann man lernen sich couragiert zu verhalten?
Was kann man in Notsituationen tun?
Kinder als Opfer - Schicksale, die besonders betroffen machen.
Eingreifen um jeden Preis?
Helden unserer Zeit
Die deutsche Rechtssprechung - was muss noch passieren?
Vorbeugung - Was kann man tun, um erst gar nicht zum Opfer zu werden
Hilfeschreie - Maßnahmen, um auf sich aufmerksam zu machen
Hilfestellung für Opfer
Abschließendes 
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Fehlende Zivilcourage - ein Phänomen unserer Zeit? zur Übersicht
Nein, das ist es ganz sicher nicht. Solange es Menschen gibt, gibt es auch Menschen, die sich für Andere eingesetzt haben und für ihre Überzeugung eingetreten sind. Oder Menschen, die einfach weggesehen haben und die ihren eigenen Egoismus über alles gestellt haben. Aber in unserem Jahrhundert ist es umso weniger verständlich, dass viele Menschen einfach achtlos vorüber gehen, wenn sie ein Unrecht beobachten. Selbst die Angst vor den Auswirkungen darf kein Argument für unterlassene Hilfeleistung sein. Denn wenn ich mich selber zu schwach fühle, so kann ich doch immer noch Andere bitten mich zu unterstützen. Und im Zeitalter der Technik zumindest mein Handy oder eine Telefonzelle benutzen, um Hilfe  zu bekommen. Aber Zivilcourage muss nicht zwangsläufig mit einem Verbrechen in Verbindung stehen. Auch ein Kind aus dem brennenden Haus zu retten, oder dem Vorgesetzten Einhalt zu gebieten, der seine Mitarbeiterin ungerecht behandelt und womöglich noch vor Kunden nieder macht, hat etwas mit Zivilcourage zu tun. Aber in unserer schnelllebigen Zeit sind wir oftmals so sehr mit uns selber beschäftigt, dass wir uns für die Belange Anderer kaum noch einsetzen. Irgendwer wird schon helfen - wieso gerade ich - wieso gerade jetzt und wieso sollte ich mich überhaupt einmischen?

Kann man lernen sich couragiert zu verhalten? zur Übersicht
Ich glaube sehr wohl, dass man couragiertes Verhalten lernen kann. Courage hat für mich auch etwas mit Selbstbewusstsein zu tun. Und Selbstbewusstsein kann ich schon meinem Kind beibringen. Kinder, die gelernt haben, dass sie ihre Meinung gegenüber Erwachsenen genauso äußern dürfen und auch dabei ernst genommen werden, werden auch als Erwachsene in der Lage sein, ihren Standpunkt zu vertreten. Doch wie sollen Kinder, die ständig gemaßregelt werden, denen durch Schläge Respekt und Gehorsam eingebläut wird und die sich von Erwachsenen nicht ernst genommen fühlen, jemals in der Lage sein, sich für Andere einzusetzen, wenn es ihnen nicht mal möglich ist, sich selber zu behaupten?
Die Kinder unserer Zeit nehmen kaum noch teil an der Gesellschaft. Weil es die Gesellschaft in der Form gar nicht mehr gibt. Jeder ist sich selbst der Nächste. Unsere Kinder werden vor den Gefahren da draußen, in ihrem Zimmer "aufbewahrt" und lernen kaum noch soziales Verhalten, weil unser übertriebener Beschützerinstinkt keinen Raum mehr lässt für eigene Erfahrungen. Für viele Kinder ist der Computer oder das Fernsehen der wichtigste Spielgefährte. Das Spiel der Erwachsenen, nach dem Motto: nur die Stärksten überleben - wird auf die Kinder übertragen und die Ellenbogengesellschaft von Heute lässt keinen Platz für Mitleid, uneigennütziges Handeln oder den Mut sich für seine Überzeugungen stark zu machen. Wer heute in der Arbeitswelt bestehen will, der passt sich an oder fliegt raus. Es sei denn, er ist der Chef. Wer in der Schule zu der tollen Clique gehören will, der hilft dabei Schwächere zu unterdrücken. Jeder Einzelne innerhalb der Clique kann zwar ein Feigling sein, aber die Gruppe ist "stark". Wenn sich diese angebliche Stärke auch nur darin äußert, Anderen den eigenen Willen aufzuzwingen.
Kinder, die z.B. eine asiatische Kampfsportart erlernen, werden sie nie gegen Schwächere einsetzen. Die Philosophie der Kampfkunst verbieten es ihnen einfach. Sie lernen sich zu verteidigen und sie lernen, dass es nichts mit Mut zu tun hat, wenn man sich einem Kampf stellt. Es hat viel mehr mit Mut zu tun, wenn man dem Kampf ausweicht. Denn das Bewusstsein der Stärke (auch der inneren Stärke) reicht völlig aus  und wer Anderen etwas beweisen muss, der hat eigene Stärke ohnehin noch nicht gefunden.
Wir als Erwachsene sollten eigentlich eine Vorbildfunktion haben. Aber wenn unsere Kinder miterleben, dass wir uns nicht für Andere interessieren, wie sollen wir dann ihr Interesse für Andere wecken?
Beispiel: Eine Mutter mit ihrem Kind beobachtet, wie eine andere Mutter im Supermarkt ihr Kind anschreit und ins Gesicht schlägt. Entweder zieht sie ihr eigenes Kind vorbei und überlässt das andere Kind seinem Schicksal, oder sie mischt sich ein und nimmt in Kauf, dass die prügelnde Mutter sie ebenfalls anschreit.
Zivilcourage muss nicht zwangsläufig zum Erfolg führen. Aber der gute Wille zu helfen ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Was kann man in Notsituationen tun? zur Übersicht
Beispiel: Ich beobachte, wie mein Nachbar ständig seinen Hund prügelt.

1. Ich spreche ihn auf die Misshandlungen des Tieres , um zu verhindern, dass sich die Situation wiederholt.
2. Ich alarmiere den Tierschutzverein.
3. Ich mag sowieso keine Hunde. Also ist es mir egal was mit dem Tier passiert.
4. Ich erzähle davon meinem anderen Nachbarn, in der Hoffnung, dass dieser schon etwas unternehmen wird.
5. Ich beobachte die Situation noch einige Wochen, nicht zuletzt, um mir darüber klar zu werden, was ich tun soll.

Hier geht es nicht um Mord. Nicht einmal um einen Menschen. Es geht "nur" um ein Tier. Ein Mensch mit Zivilcourage würde sofort eingreifen. Ihm wäre es egal, ob es sich um ein Tier oder einen Menschen handelt. Die Situation bedarf einer unmittelbaren Handlung. Und nicht jetzt zu helfen, könnte u.U. den Tod des Tieres bedeuten. Und die Situation ist relativ gut einzuschätzen. Wenn ich auf der Strasse einem Mann begegne, der aussieht wie ein Schrank, womöglich noch angetrunken ist und wie rasend auf sein Tier einprügelt: Ich würde dem Tier für den Moment nicht helfen. Ich würde versuchen herauszufinden, wo der Mann wohnt und dann den Tierschutzverein benachrichtigen. Fehlende Zivilcourage? Nein, dass finde ich nicht. Eher ein angeborener Überlebenswille. Die Situation kann außer Kontrolle geraten. Ich kann nicht mehr abschätzen, ob der Mann auch auf mich einprügeln würde und ich kann nicht auf Hilfe von Anderen hoffen. Ich kann versuchen andere Menschen, die die Szene ebenfalls beobachtet haben, dazu zu bewegen mich zu unterstützen.  
Aber Versuche in dieser Richtung zeigen, dass die wenigsten Menschen bereit sind zu helfen.

In einer gestellten Szene hat ein Mann seinen (dressierten) Hund permanent angeschrieen und mit einem Stock auf ihn eingeprügelt. Die Passanten im Park haben sich zwar umgedreht, aber eingegriffen haben von zehn Passanten nur zwei. Die Leute, die einfach vorbeigegangen sind, wurden zu der Situation im nach herein befragt. Die Antworten waren teilweise völlig absurd. Sie reichten von: "ich habe das gar nicht bemerkt", bis hin zu "ich dachte, der Hund hat das wohl verdient". Die wenigsten gaben zu, dass sie mit der Situation überfordert waren und aus Angst nicht eingegriffen haben. Übrigens wurde die gleiche Szene mit einem Mann und seiner vermeintlichen Tochter wiederholt. Erschreckenderweise war das Ergebnis das Gleiche. Auch wenn ich mich selber nicht traue einzugreifen, ich kann doch Andere um Hilfe bitten?!

Kinder als Opfer - Schicksale die besonders betroffen machen zur Übersicht
Übergriffe gegen Kinder sind zweifelsohne das Schändlichste, was es gibt. Kinder sind leicht zu beeinflussen. Sie unter Druck zu setzen, einzuschüchtern oder zu bedrohen fällt nicht schwer. Babys und Kleinkinder haben ohnehin keine Chance sich zu wehren. Wir können sie nicht vor jeder Gefahr beschützen. Aber wir können ihnen behutsam zeigen, wie wichtig es sein kann, dass sie auch einem Erwachsenen gegenüber "Nein" sagen dürfen und vielleicht müssen. Sicherlich wäre es falsch, wenn man seine Kinder übertrieben vor allen anderen Menschen warnt. Aber man sollte ihnen frühzeitig erklären, dass Vertrauen zwar wichtig ist, es aber auch Menschen gibt, die dieses Vertrauen ausnutzen könnten. Bereits für Vierjährige gibt es sehr gute Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Vorsichtig zu sein ,muss ja nicht heißen, dass man gar kein Vertrauen haben darf. Aber ein Kind, welches mit zehn Jahren noch unbedarft in ein Auto springt, weil der Unbekannte ihm Bonbons anbietet - ich denke, da sind wir als Erwachsene gefordert, dass solche Situationen einfach nicht eintreten können. Sicherlich sieht es bei Gewaltanwendungen ganz anders aus. Ein Kind, welches gewaltsam in ein Auto gezerrt wird, dass hat kaum eine Chance sich zu wehren. Und diese Kinder sind ganz besonders auf die Zivilcourage Anderer angewiesen. Denn was kostet es, einfach zum Auto zu gehen und zu fragen, ob das Kind den Fahrer kennt oder nicht. Schließlich kann es sich auch um den Vater oder die Mutter handeln, die gerade einen Streit mit ihrem Kind haben. Und die wären sicherlich nicht böse darüber, dass es Menschen gibt, die sich um Andere sorgen. Und selbst wenn... Martin hat auf seinem ersten Entwurf seiner Homepage zu diesem Thema einen ganz wichtigen Satz geschrieben: Zivilcourage, die auf Belohnung hofft, ist keine. 
Aber das Elternhaus ist nicht alleine verantwortlich für die Entwicklung unserer Kinder. Schulen, Kindergärten und sämtliche weiteren Bezugspersonen, wie z.B. Großeltern,  Tagesmutter und Freunde können dazu beitragen, dass Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für sich und Andere.

In dem folgenden Fall, der sich tatsächlich ereignet hat, wird es sehr deutlich, wie mangelnde Zivilcourage sich auf das Leben unserer Kinder auswirken kann.

Vor dem Landgericht Lüneburg, wurde vor ein paar Jahren ein Fall von sexuellem Missbrauch behandelt. Der Vater des Mädchens hatte sich jahrelang an seiner Tochter vergangen. Das völlig eingeschüchterte Mädchen (zum Zeitpunkt der Verhandlung schwanger von ihrem Vater), vertraute sich eines Tages der Mutter an. Die Mutter jedoch bestritt energisch die Vorkommnisse und schenkte der Tochter keinen Glauben. Sie stellte sich schützend vor ihren Mann und das Martyrium der Tochter ging unverändert weiter. Letztendlich hat die Mutter des Freundes, den die Tochter eingeweiht hatte, das Jugendamt informiert. Diese Frau hatte die Zivilcourage sich für das Mädchen einzusetzen. 
Der Vater bekam übrigens sieben Jahre Gefängnisstrafe - die Mutter wurde nicht belangt.

Die Schuld des Vaters ist unbestritten. Aber wie viel Schuld trägt die Mutter? Selber eingeschüchtert durch einen brutalen Ehemann, der Widerspruch mit Schlägen ahndet - wie hätte sie sich verhalten müssen? 
Als Mutter gibt es keinen Zweifel: man hilft dem Kind! Tut man es wirklich?
Es ist einfach zu urteilen, bzw. zu verurteilen. Aber nur wer jemals in einer solchen Situation gewesen ist, der kann wirklich beurteilen, was es heißt, sich hinter den eigenen Ängsten zu verstecken.
Eine Freundin von mir wurde in ihrer Kindheit von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht. Die Mutter erhängte sich, als das Mädchen 14 Jahre alt war. Sie kam in ein Heim. Die Wunden sitzen tief und die Umstände ihrer tragischen Kindheit haben nicht gerade dazu beigetragen, dass sie ein völlig normales Leben führen kann. Sie leidet mitunter an schweren Depressionen, hat einige Selbstmordversuche hinter sich und sucht sich immer wieder  Freunde aus, von denen sie ausgenutzt, betrogen oder geschlagen wird. Sie zieht diesen Typ Mann magisch an. Wahrscheinlich, weil sie ein leichtes Opfer ist. Eine Therapie lehnt sie ab - sie sei völlig o.k., ist ihre Begründung und sie brauche keine Hilfe. Man kann sie nicht zwingen und so sehr man sich auch um sie bemüht, sie wird ihr Leben nie in den Griff bekommen, solange sie nicht für sich selber erkennt, dass sie ihr schweres Kindheitstrauma aufarbeiten muss, um wieder halbwegs zu sich selber zu finden.

Eingreifen um jeden Preis? zur Übersicht
Eine Situation erfordert ein schnelles Handeln. Wenn ich sehe, wie Jemand am ertrinken ist, dann würde ich, ohne zu zögern, ins Wasser springen um ihn zu retten. Aber wenn ich nicht schwimmen kann? Wem nützt es, wenn ich als toter Held morgen in der Zeitung stehe unter der Überschrift :"Heldenhafter Retter und ein junger Mann ertranken im Baggersee."
Obwohl ,- es hat Fälle gegeben , in denen Nichtschwimmer andere Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben. Der Mensch entwickelt ungeahnte Kräfte, wenn es darum geht, am Leben zu bleiben und andere Menschen zu retten. Vielleicht ist diesen mutigen Helfern das Unmögliche geglückt, weil sie einfach nicht darüber nachgedacht haben, dass sie sich selber auch in große  Gefahr bringen. Vielleicht ist es ganz gut so, dass für einen Augenblick der Verstand aussetzt und man nichts weiter tun möchte als zu helfen. Aber wenn ich erst lange darüber nachdenke, dass ich nicht schwimmen kann, dann würde meine Angst vor dem eigenen Ertrinken wahrscheinlich überwiegen.
Aber was ist mit den Menschen, die couragiert eingreifen, obwohl die Gefahr eigentlich nicht unmittelbar vorhanden ist?

Beispiel: Ein junger Mann bekommt zufällig mit, wie ein Juwelier ausgeraubt wird. Ohne zu zögern nimmt er die Verfolgung auf. Der Täter zieht eine Waffe und erschießt den jungen Mann. (Tatsächlich passiert in Hamburg)
Es hätte wohl Niemanden gegeben, der dem jungen Mann mangelnde Zivilcourage vorgeworfen hätte, wenn er dem Täter nicht gefolgt wäre. Er hat sein Leben geopfert, weil er es als seine oberste Pflicht ansah zu helfen. Die Bewunderung, die man ihm entgegen bringt, nützt ihm nichts mehr.
Tagtäglich werden z.B. Supermärkte und andere Geschäfte ausgeraubt. Kann ich von der Kassiererin erwarten, dass sie sich dem Täter entgegen stellt? Kann ich von den Kunden erwarten, dass sie sich auf den Täter stürzen?

Beispiel: Eine Freundin, die einen Supermarkt leitet, wird von einem Kunden informiert, dass ein anderer Kunde etwas gestohlen hat. Sie stellt den Dieb hinter der Kasse. Der Mann schlägt, ohne zu zögern, zu. Nur mit Mühe kann sie ihn abwehren. Ihre Bitte um Hilfe, die sie an andere männliche Kunden richtet, bleibt ungehört. Selbst ein paar Männer, die es durchaus mit dem Dieb hätten aufnehmen können, schauen dem Spektakel einfach nur zu. Desinteressiert daran, dass gerade eine Frau geschlagen wird und um Hilfe bittet. Nach einigen Momenten schreitet ein Rentner beherzt ein. Ihm und einer weiteren Angestellten gelingt es schließlich den Dieb zu überwältigen. Respekt für den alten Mann - tiefste Verachtung für die anderen Kunden, die es nicht für nötig hielten zu helfen.

Helden unserer Zeit zur Übersicht
In der Presse war zu lesen, dass ein junger Mann sich mutig dazwischen geworfen hat, als ein Kampfhund auf fünf Personen los ging. Der Hund verletzte auch den jungen Mann schwer. Kampfhunde haben leider die Angewohnheit ihren Opfern an die Kehle zu gehen und sich daran festzubeißen. Und obwohl der Mann sich dieser Tatsache bewusst war, hat er nicht gezögert zu helfen. Er sah in diesem Moment nur das Kinder in Gefahr waren.

Zwei junge Russen in unserem Ort beobachteten wie ein Autofahrer gerade versuchte ein junges Mädchen in sein Auto zu zerren. Ohne zu zögern, eilten sie dem Mädchen zur Hilfe und schlugen den vermeintlichen Sittlichkeitsverbrecher in die Flucht.

Zivilcourage kann man immer und überall antreffen. Und mag die heldenhafte Tat auch noch so bescheiden ausfallen, so sollten wir doch Alle darüber nachdenken, ob wir in einer ähnlichen Situation auch geholfen hätten.

Die deutsche Rechtssprechung - was muss noch passieren? zur Übersicht
Ich persönlich halte das Strafmass für viele Delikte für zu niedrig. Ich bin zwar auch nicht gerade ein Verfechter der Todesstrafe. Aber für einen Mord gibt es kaum mehr lebenslänglich. 20 Jahre vielleicht, bei guter Führung nach 15 Jahren entlassen. Ein Vater, der sich jahrelang an seiner Tochter vergeht, bekommt das Höchstmass von 7 Jahren. Unbegreiflich für mich. Und was ist mit den Opfern - mit den Angehörigen? Ein psychisch kranker Täter kann auf die Gnade der Richter hoffen, wird von Psychologen betreut und geht irgendwann wieder seinem Leben nach, wenn er es schafft, nicht rückfällig zu werden, bzw. nicht noch einmal erwischt zu werden. Was bleibt dem Opfer? Wer kümmert sich um die Angestellte, die bereits dreimal überfallen wurde? Welche Hilfe erhält das Vergewaltigungsopfer und wo finden die Angehörigen Trost, die durch Mord ein Familienmitglied verloren haben?
Sicherlich muss man die Taten unterscheiden, die Umstände berücksichtigen und von Fall zu Fall entscheiden. Aber wird es vielen Tätern nicht zu einfach gemacht? Wer morden will, den würde auch die Todesstrafe nicht abhalten. Aber wäre es nicht eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, wenn der Mörder niemals wieder die Gelegenheit erhält zu morden? Wie oft hört man, dass Männer, die wegen Vergewaltigung einsitzen, schon nach kurzer Zeit wieder Freigang erhalten und wieder vergewaltigen.
Ich bin keine Juristin und will auch nicht die ganze Rechtssprechung in Frage stellen. Aber ich glaube, dass unsere Rechtssprechung insgesamt zu lasch ist.

Vorbeugung - was kann man tun, um erst gar nicht zum Opfer zu werden zur Übersicht
Sicherlich ist Niemand gänzlich davor geschützt ein Opfer zu werden. Aber dennoch gibt es einige Möglichkeiten, die dabei helfen können, dass Gefahren reduziert werden können.

  • Kinder sollten so früh wie möglich lernen, wie gefährlich es sein kann, wenn sie mit fremden Personen mitgehen.
  • Mit Kindern Situationen durchspielen, in denen sie lernen sich richtig zu verhalten. Das betrifft das Verhalten im Straßenverkehr genauso, wie der Umgang mit Fremden oder mit gefährlichen Dingen wie Feuer, Medikamenten, Drogen und Alkohol. 
  • Kinder selbstbewusst machen. d.h. ihnen beibringen, dass es manche Situationen gibt, in denen sie klar und unmissverständlich "nein" sagen müssen. Auch Freunden gegenüber! Denn nicht selten sind es Verwandte und Freunde der Familie, die Kindern in jeglicher Form Gewalt antun.
  • Kinder brauchen Bezugspersonen, denen sie vertrauen können, die sie ernst nehmen und von denen sie wissen, dass sie sich immer auf sie verlassen können. Dann werden sich Kinder auch eher anvertrauen, wenn sie wissen, dass ihre Ängste und Sorgen auch verstanden werden.
  • Kindern frühzeitig den Umgang mit dem Telefon erklären und die Bedeutung der Notrufnummern 110 und 112. Das gleiche gilt auch für den Umgang mit öffentlichen Fernsprecheinrichtungen.
  • Wege und Plätze vermeiden, die schlecht beleuchtet sind und an denen sich nur wenige Menschen aufhalten.
  • Jugendliche von der Disco abholen. Auch wenn Jugendliche darauf beharren, dass sie ja nun schon fast erwachsen sind und auch am späten Abend alleine nach Hause gehen können, so werden Kinder und Jugendliche, die scheinbar übertriebene Vorsicht der Eltern dennoch akzeptieren, wenn sie begriffen haben, dass erwachsen sein nichts mit Leichtsinn zu tun hat.
  • Kindern und Jugendlichen einschärfen, dass sie mindestens zu zweit den Heimweg antreten.
  • Die öffentlichen Bürgerstunden der Polizei zusammen mit seinen Kindern besuchen.
  • Einen guten nachbarschaftlichen Kontakt pflegen. Jeder sollte etwas auf seine Nachbarn achten, so kann man eher erkennen, wenn vielleicht etwas mal nicht in Ordnung ist.
  • Wohnungen und Häuser einbruchsicher machen. Es muss ja nicht immer die teure Alarmanlage sein. Türspione, abschließbare Fenster  und Sicherheitsschlösser können bereits abschrecken. Die Polizei berät gerne!
  • Konfliktsituationen aus dem Weg gehen. Es hat meistens wenig Sinn sich mit einem Randalierer zu streiten. Lieber einmal zu viel die Polizei rufen, als einmal zu wenig.
  • Kontakt zu Lehrern halten. Übergriffe auf jüngere und schwächere Schüler sowie Waffenbesitz in deutschen Schulen sind leider keine Seltenheit mehr. Lehrer und Eltern müssen hier zusammen arbeiten und gemeinsam daran arbeiten, dass Schulen sicher sind und bleiben.
  • Nicht provozieren. Manche Täter werden erst dann gewalttätig, wenn sie sich provoziert fühlen. Trifft man z.B. auf eine Gruppe randalierender Jugendlicher und geht verbal gegen einzelne Gruppenmitglieder vor, so werden diese, um sich vor den Kumpels nicht zu blamieren, eher handgreiflich werden, um ihrer Gruppe Stärke zu demonstrieren.
  • Niemals mit Leuten mitgehen, die man gerade erst kennen gelernt hat. Nicht selten erklären Vergewaltiger ihre Tat damit, dass sie der Meinung waren, dass die betreffende Frau es ja auch wollte, weil sie ohne zu zögern mit ihm nach Hause gegangen ist. Das ist sicherlich keine Entschuldigung, aber manche Frauen unterschätzen einfach, in welche gefährlichen Situationen sie sich begeben können.
  • Selbstverteidigungskurse besuchen.
  • Älteren Menschen alte Handys überlassen, deren Notruffunktionen noch funktionieren.
  • Älteren Menschen Hilfe anbieten, besonders bei Bankgängen. Immer wieder kommt es vor, dass ältere Menschen ihre gesamten Ersparnisse von der Bank abholen und auf dem Weg nach Hause ausgeraubt werden.
  • Älteren und ausländischen Mitbürgern einen Gefahrenkatalog zusammenstellen. Ein solcher Katalog kann in Flugblattform ausgestellt sein. Trickbetrüger z.B. haben gerade bei älteren  und gutgläubigen Menschen ein leichtes Spiel. Fremde werden in die Wohnung eingelassen. Falsche Polizeimarken öffnen die Tür genauso, wie die Bitte um ein Glas Wasser.   

Hilfeschreie - Maßnahmen, um auf sich aufmerksam zu machen zur Übersicht
Sollte man dennoch in eine Situation geraten, die bedrohlich ist, so sollte man sich niemals scheuen Andere um Hilfe zu bitten. Eine Abschätzung der Situation ist allerdings von besonderer Wichtigkeit. Ruhiges und überlegtes Handeln kann Leben retten.

  • Andere Personen direkt um Hilfe ansprechen. Dabei laut und bestimmt vorgehen. Viele Menschen brauchen erst eine Aufforderung, bevor sie eingreifen.
  • Laut um Hilfe schreien, um so auf sich aufmerksam zu machen.
  • Den Angreifer gezielt abwehren. Jeder Gegenstand, der in unmittelbarer Nähe ist, sollte zur Verteidigung eingesetzt werden. Auch ein gezielter Tritt zwischen die Beine kann bei einem männlichen Angreifer Wunder bewirken. Dabei den Überraschungsmoment ausnutzen und vor allem keine Schwäche zeigen. Anders verhält es sich natürlich, wenn der Täter bewaffnet ist und man selber keine spezielle Ausbildung für solche Situationen hat. Dann nicht den Helden spielen, sondern versuchen Ruhe zu bewahren.
  • Alarmsignale ausmachen. Um auf eine Notfallsituation aufmerksam zu machen, ohne dass der Täter davon etwas mitbekommt. Das kann hilfreich sein, wenn man z.B. mit Kollegen zusammen arbeitet. Ein bestimmtes Wort, ein Klingelzeichen oder eine Redewendung können die Kollegen aufmerksam machen, dass etwas nicht in Ordnung ist.
  • Weglaufen. Manchmal hilft nur der Rückzug. Solange man die Möglichkeit hat davon zu laufen, sollte man sie auch nutzen. Dabei laut um Hilfe rufen.
  • Sicheres Auftreten. Bei einem Überfall in einem Supermarkt wollte der Täter von der Kassiererin den Kasseninhalt. Diese ist einfach aufgestanden und hat den Kassenplatz verlassen. Der Täter war so verdutzt, dass er unverrichteter Dinge geflüchtet ist.
  • Gerade Kinder, die sich Gewalt ausgesetzt sehen, tun sich schwer sich anderen anzuvertrauen. Der Täter, oftmals Bekannte oder Verwandte, ja selbst die eigenen Eltern, haben das Kind eingeschüchtert. Kinder glauben vielfach, sie sind selber daran Schuld, wenn man ihnen etwas Böses antut. Ihre Hilfeschreie sind deshalb oft nicht laut vernehmbar. Aber wer seine Kinder wachsam beobachtet, dem fallen schneller Veränderungen auf. Wird das Kind immer ruhiger, verweigert es die Nahrung, will plötzlich nicht mehr zu bestimmten Personen, zieht es sich zurück, neigt es vermehrt zu Wut- oder Tränenausbrüchen. All` dies können Anzeichen sein! 

Hilfestellung für Opfer zur Übersicht
Egal, ob man nun Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist, man sein Hab und Gut beim Wohnungsbrand verloren hat, oder der Lieblingshund vergiftet wurde: Jeder, der sich als Opfer fühlt, benötigt Zuspruch. Viele Opfer können erst Jahre später über das Erlebte sprechen, manche nie. Es gibt Opfer, die gründen einen Verein, fangen an zu malen oder zu schreiben, vertrauen sich Psychologen an oder suchen Hilfe bei Freunden und der Familie. Jeder Mensch geht anders mit seinen Erlebnissen um. Und darum sollte man auch niemals Menschen dazu zwingen über das Erlebte zu sprechen. Man kann sie unterstützen, indem man Hilfe anbietet, ihnen Adressen für bestimmte Organisationen geben, Bücher empfehlen oder einfach nur tröstend beiseite stehen. Professionelle Beratung sollte auf jeden Fall hinzugezogen werden, wenn es sich bei dem Opfer um ein Kind handelt. Oft fällt es Kindern leichter sich fremden Personen anzuvertrauen, als den eigenen  Eltern. Familien- und Sozialeinrichtungen gibt es in jedem Bundesland. Weitere Hilfen bekommt man bei Psychologen, Jugendämtern, Beratungsstellen der Kirchen, der Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der Arbeiterwohlfahrt, dem Roten Kreuz oder über die Telefonseelsorge. Außerdem gibt es mittlerweile zahlreiche Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben Opfern zu helfen.

Abschließendes zur Übersicht
Wir bejubeln die Helden und vergessen sie ebenso schnell auch wieder. Ein kurzer Artikel in der Presse und das war es. Nicht das es um eine Belohnung geht oder um die Anerkennung der Öffentlichkeit. Aber gehen wir nicht zu selbstverständlich mit der Tatsache um, dass da Menschen sind, die einfach nur helfen? 
Was ist mit den Leuten, die sich mit ihrer Meinung mutig gegen ihren Vorgesetzten stellen, weil dieser vielleicht seine Mitarbeiter ungerecht behandelt. Diese Leute werden oft sogar in den eigenen Reihen als Querulanten angesehen. Weil es eben einfacher ist, sich der Macht zu beugen, als für seine Recht zu kämpfen.  Aber müssten wir nicht viel mehr zusammen halten? An einem Strang ziehen, wie es so schön heißt? Wenn es um ein bestimmtes Vorhaben geht, dann sind Alle Feuer und Flamme. Geht es dann aber um die Ausführung, so steht man nicht selten alleine dar. 
Seinen Standpunkt vor Anderen zu vertreten ist für mich schon Zivilcourage. Ich kann mich nicht immer nur unterordnen und hoffen, dass Andere für mich sprechen. Wenn ich selber von mir überzeugt bin, dann bin ich auch in der Lage meine Meinung zu vertreten. 
Gerade im Internet herrscht immer so eine "Jeder- hat- sich- lieb- Stimmung". Jeder möchte gemocht werden und holt sich seine Sympathiepunkte in  Gästebucheintragungen oder in lauschigen Chatgesprächen. Gefällt mir nicht, was ich sehe, so lobe ich es dennoch über den grünen Klee. Sehe ich eine Seite mit rechtsradikalem Inhalt, so blättere ich entrüstet weiter. Ich verleugne mich um nicht alleine da zu stehen. Ich ordne mich unter, weil die Gruppe es so verlangt. Ich halte mich raus um nicht aufzufallen. Ich lasse für mich entscheiden, weil ich nicht in der Lage bin mein Leben frei von Konventionen zu führen.
Ich will nicht zur Rebellion aufrufen oder dazu meine Mitmenschen vor den Kopf zu stoßen. Aber zu mehr Ehrlichkeit Anderen gegenüber und mir selber gegenüber. 
Jeder muss für sich selber entscheiden, ob und wie er helfen will und kann. Und Jeder muss mit seiner eigenen Entscheidung leben. Aber Jeder sollte sich auch darüber klar sein, dass man es sich zu einfach macht, wenn man glaubt, dass es immer nur die Anderen sein müssen, die den ersten Schritt wagen. 
Wir tun uns keinen Gefallen damit, wenn wir so tun, als ob uns das Ganze nichts anginge. Denn wer weiß schon, wann wir selber an der Reihe sind und Hilfe von Anderen brauchen. 

Kessie 

 

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