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Kinder als Opfer - Schicksale die besonders betroffen machen 
Übergriffe gegen Kinder sind zweifelsohne das Schändlichste, was
es gibt. Kinder sind leicht zu beeinflussen. Sie unter Druck zu setzen,
einzuschüchtern oder zu bedrohen fällt nicht schwer. Babys und
Kleinkinder haben ohnehin keine Chance sich zu wehren. Wir können sie
nicht vor jeder Gefahr beschützen. Aber wir können ihnen behutsam
zeigen, wie wichtig es sein kann, dass sie auch einem Erwachsenen
gegenüber "Nein" sagen dürfen und vielleicht müssen.
Sicherlich wäre es falsch, wenn man seine Kinder übertrieben vor allen
anderen Menschen warnt. Aber man sollte ihnen frühzeitig erklären,
dass Vertrauen zwar wichtig ist, es aber auch Menschen gibt, die dieses
Vertrauen ausnutzen könnten. Bereits für Vierjährige gibt es sehr
gute Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Vorsichtig zu
sein ,muss ja nicht heißen, dass man gar kein Vertrauen haben darf.
Aber ein Kind, welches mit zehn Jahren noch unbedarft in ein Auto
springt, weil der Unbekannte ihm Bonbons anbietet - ich denke, da sind
wir als Erwachsene gefordert, dass solche Situationen einfach nicht
eintreten können. Sicherlich sieht es bei Gewaltanwendungen ganz anders
aus. Ein Kind, welches gewaltsam in ein Auto gezerrt wird, dass hat kaum
eine Chance sich zu wehren. Und diese Kinder sind ganz besonders auf die
Zivilcourage Anderer angewiesen. Denn was kostet es, einfach zum Auto zu
gehen und zu fragen, ob das Kind den Fahrer kennt oder nicht.
Schließlich kann es sich auch um den Vater oder die Mutter handeln, die
gerade einen Streit mit ihrem Kind haben. Und die wären sicherlich
nicht böse darüber, dass es Menschen gibt, die sich um Andere sorgen.
Und selbst wenn... Martin
hat auf seinem ersten Entwurf seiner Homepage zu diesem Thema einen ganz
wichtigen Satz geschrieben: Zivilcourage, die auf Belohnung hofft, ist
keine.
Aber das Elternhaus ist nicht alleine verantwortlich für die
Entwicklung unserer Kinder. Schulen, Kindergärten und sämtliche
weiteren Bezugspersonen, wie z.B. Großeltern, Tagesmutter und
Freunde können dazu beitragen, dass Kinder lernen Verantwortung zu
übernehmen. Verantwortung für sich und Andere.
In dem folgenden Fall, der sich tatsächlich ereignet hat, wird es
sehr deutlich, wie mangelnde Zivilcourage sich auf das Leben unserer
Kinder auswirken kann.
Vor dem Landgericht Lüneburg, wurde vor ein paar Jahren ein Fall von
sexuellem Missbrauch behandelt. Der Vater des Mädchens hatte sich
jahrelang an seiner Tochter vergangen. Das völlig eingeschüchterte
Mädchen (zum Zeitpunkt der Verhandlung schwanger von ihrem Vater),
vertraute sich eines Tages der Mutter an. Die Mutter jedoch bestritt
energisch die Vorkommnisse und schenkte der Tochter keinen Glauben. Sie
stellte sich schützend vor ihren Mann und das Martyrium der Tochter
ging unverändert weiter. Letztendlich hat die Mutter des Freundes, den
die Tochter eingeweiht hatte, das Jugendamt informiert. Diese Frau hatte
die Zivilcourage sich für das Mädchen einzusetzen.
Der Vater bekam übrigens sieben Jahre Gefängnisstrafe - die Mutter
wurde nicht belangt.
Die Schuld des Vaters ist unbestritten. Aber wie viel Schuld trägt
die Mutter? Selber eingeschüchtert durch einen brutalen Ehemann, der
Widerspruch mit Schlägen ahndet - wie hätte sie sich verhalten
müssen?
Als Mutter gibt es keinen Zweifel: man hilft dem Kind! Tut man es
wirklich?
Es ist einfach zu urteilen, bzw. zu verurteilen. Aber nur wer jemals in
einer solchen Situation gewesen ist, der kann wirklich beurteilen, was
es heißt, sich hinter den eigenen Ängsten zu verstecken.
Eine Freundin von mir wurde in ihrer Kindheit von ihrem Stiefvater
sexuell missbraucht. Die Mutter erhängte sich, als das Mädchen 14
Jahre alt war. Sie kam in ein Heim. Die Wunden sitzen tief und die
Umstände ihrer tragischen Kindheit haben nicht gerade dazu beigetragen,
dass sie ein völlig normales Leben führen kann. Sie leidet mitunter an
schweren Depressionen, hat einige Selbstmordversuche hinter sich und
sucht sich immer wieder Freunde aus, von denen sie ausgenutzt,
betrogen oder geschlagen wird. Sie zieht diesen Typ Mann magisch an.
Wahrscheinlich, weil sie ein leichtes Opfer ist. Eine Therapie lehnt sie
ab - sie sei völlig o.k., ist ihre Begründung und sie brauche keine
Hilfe. Man kann sie nicht zwingen und so sehr man sich auch um sie
bemüht, sie wird ihr Leben nie in den Griff bekommen, solange sie nicht
für sich selber erkennt, dass sie ihr schweres Kindheitstrauma
aufarbeiten muss, um wieder halbwegs zu sich selber zu finden. |